Firmenübernahmen in Österreich kaum entwickelt

10. Dezember 2004, 15:04
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Bei Betriebsübergaben sind Management-Buyouts eine gute Möglichkeit, das Unternehmen zu sichern. Viel zu wenige Unternehmer wissen wie es funktioniert, so eine Studie

Wien – Die Alterung der österreichischen Gesellschaft wirkt sich auch auf die Betriebsnachfolge aus. Zwei Drittel der heimischen Betriebe sind Familienunternehmen, die meist an die Kinder weitergegeben werden. Nun sinkt aber einerseits der Anteil an Nachkommen und andrerseits wollen immer weniger Jugendliche in den elterlichen Betrieb einsteigen. Mehr als 50.000 Unternehmen stehen zur Betriebsübernahme an, findet sich kein Nachfolger, drohen Schließung, Verkauf und der Verlust vieler Jobs.

Nur für 13 Prozent "mögliche Lösung"

Die Europa Consult, das M&A Beratungsunternehmen der Investkredit Gruppe, befragte zu diesem Thema rund 400 österreichische Unternehmen zum Thema Management-Buyouts (MBO) als Alternative zur Betriebsübergabe. Das Ergebnis: Nur 13 Prozent der Befragten sahen den Verkauf an Manager als mögliche Lösung für eine Betriebsnachfolge. Im Gespräch stellte sich aber heraus, dass für 83 Prozent der Manager und 74 Prozent der Eigentümer ein MBO grundsätzlich infrage käme. "Hier muss ein Informationsdefizit abgebaut werden", so Projektleiterin Gabriela Untergrabner.

Außerdem stünden noch viele Firmen dem Verkauf prinzipiell negativ gegenüber. Von rund 5000 österreichischen Firmen mit einem Jahresumsatz von rund sieben Mio. Euro haben heuer nur 20 ein MBO durchgeführt, so Untergrabner. In Großbritannien werden rund die Hälfte der Unternehmen an Manager weiter verkauft.

Schwierigkeiten in Handel und Tourismus

Durch MBOs würden Unternehmenskontinuität und der Standort gesichert – auch die Akzeptanz der Mitarbeiter sei hoch, so Untergrabner. Grundsätzlich seien alle Branchen geeignet, nur im Handel und im Tourismus gäbe es Schwierigkeiten wegen des notwendigen Besicherungspotenzials. Für die Finanzierung von MBOs sei eine Umsatzgröße von mindestens sieben Mio. Euro wünschenswert. Zusätzlich zu Bankkrediten sollte der Käufer zwei bis drei Jahresgehälter an Eigenkapital einbringen, um die Identifikation mit der Firma zu stärken. Für weitere Finanzierungslücken müsse man mehr Beteiligungskapital bereitstellen.

Die Junge Wirtschaft sieht die Förderung von Mitarbeiterbeteiligungen als wichtigen Zwischenschritt für MBOs. "Wenn jemand als Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt ist, ist es vielleicht nur noch ein Schritt, bis er sagt: Jetzt will ich ganz nach oben", so Geschäftsführer Rainer Ribing. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.12.2004)

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