"Gio's Nightline" auf der 13A-Strecke: Leer- und Lehrfahrt bei Nacht

5. Dezember 2004, 19:57
25 Postings

Seit drei Wochen fährt die Nachtbuslinie - Sowohl Wiener Linien als auch VP sehen in ihrer Nutzung ihre Position voll bestätigt

Dass halb voll halb leer ist, ist bekannt. Und es ist eine Kernaufgaben der Politik, dem Bürger die Anwendbarkeit dieses Satzes auf alle Lebenslagen zu demonstrieren. Aktuelles Beispiel: Die von der Wiener ÖVP auf der Strecke des 13A geführte Nachtbuslinie "Gio's Nightline".

Der nach dem Wiener VP- Chef Johannes "Gio" Hahn benamste Bus fährt seit dem 18. November nächtens alle halben Stunden durch die auch politisch zwischen SP, VP und Grünen heiß umkämpfte Wählerregion entlang der 13A- Strecke. Er ist "ein voller Erfolg". Sagt die ÖVP. Gleichzeitig ist es "schwer, hier etwas Erfolgreiches zu erkennen." Sagen die Wiener Linien.

Unterschiedliche Wünsche in Neubau und Mariahilf?

Aber das liegt nur an der Bewerbung der Linie, denn "der Bedarf ist da". Sagen die Grünen. Aber nur in Neubau: "Bei 2500 erhobenen Bürgerwünschen war dieser Nachtbus nie dabei." Sagt die SPÖ. In Mariahilf – also auf der anderen Seite der Mariahilfer Straße.

Doch auch in Zahlen glaubt die VP den hauptamtlichen Öffi-Betreibern beweisen zu können, dass eine Nachtbusstrecke quer durch die abends sehr lebendigen Wiener "Battleground-Districts" Wieden, Margareten, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund Sinn macht: Vergangenes Wochenende, so die VP- Fahrgastzählung, hätten über 400 Personen den Bus (Do: 103, Fr: 155, Sa: 188 Personen) genommen. Gratis.

Schon bei 200 Fahrgästen pro Nacht und dem von den Wiener Linien verlangten 1,50 Euro pro Ticket, würde man einen Deckungsgrad von 50 Prozent erreichen, rechnet die VP vor: "Die Wiener Linien haben laut eigenen Angaben einen durchschnittlichen Kostendeckungsgrad durch den Fahrscheinverkauf von 45 Prozent – aber gesamt, nicht auf die Nachtbusse bezogen," heißt es.

Kein Wunder also, dass Johannes Hahns Forderung an die Wiener Linien lautet: "Der Bus soll von den Wiener Linien in einem echten Probebetrieb weiter geführt werden, wenn wir den Betrieb am 19. Dezember wieder einstellen." Und daran, dass "Gio's Nightline" mit jenem PR- und Informationsapparat, mit dem die Wiener Linien ihre Leistungen kundtun, nicht aus der politischen, sondern auch der realen Perspektive ein Erfolg wäre, ist Neubaus Grüner Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger überzeugt: "Dass der Bus fast leer fährt, sagt nichts über seine Notwendigkeit."

Bei den Wiener Linien sieht man das freilich anders: Man habe, erklärt deren Sprecher Johann Ehrengruber "genug Erfahrung mit Nachtbuslinien". Das Nachtnetz sei gut geflochten: "So wie es ist, ist es ganz gut." (Thomas Rottenberg; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.12.2004)

  • Artikelbild
    foto: övp wien
Share if you care.