USA fördern verstärkt Sex-Abstinenz-Programme gegen Aids

1. Dezember 2004, 13:22
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Laut einer US-Umfrage geht negative Einstellung Infizierten gegenüber mit Ablehnung Homosexueller einher

Washington - Die USA fördern in ihrer Anti-Aids-Hilfe verstärkt Programme, die sexuelle Abstinenz als Mittel gegen die Epidemie präsentieren. Ein Drittel der US-Gelder, die für Aids-Prävention aufgewendet werden, fließe in diese Enthaltsamkeits-Programme, erläuterte Jennifer Kates von der Kaiser Family Foundation am Montag bei einer Diskussion zum Welt-Aids-Tag im Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington. Die Verbreitung von Kondomen werde auch weiterhin unterstützt, einen US-Boykott von Organisationen, die Präservative verteilen und deren richtige Anwendung demonstrieren, gebe es nicht. "Es geht dabei natürlich auch um die Prioritäten und die Verteilung der Mittel", erklärte Kates.

"ABC"-Strategie

Grundsätzlich hielten die USA weiterhin an der dreistufigen so genannten "ABC"-Strategie in der Aids-Prävention fest: "A" steht für "Abstinence" (sexuelle Enthaltsamkeit), "B" für "Being Faithful" (sexuelle Treue) und "C" für "Condoms" (Kondome). Die derzeitige republikanische Regierung von Präsident George W. Bush betone offenbar Abstinenz und Treue, da dies auch ihren gesellschaftlichen und moralischen Überzeugungen entspreche, so die Direktorin für HIV-Themen in der Kaiser Family Foundation.

Eine starke Betonung der Abstinenz-Programme in der Öffentlichkeit durch die offiziellen Stellen der USA im Vergleich zur Kondom-Strategie ortet auch der Politologie-Professor der Princeton-Universität und Leiter der Princeton Aids-Initiative, Evan Lieberman. Der Großteil der Mittel fließe jedoch ohnehin nicht in die Prävention, sondern in die teure medizinische Behandlung von Aids-Kranken.

Wer keine Infizierten mag, mag keine Homosexuellen

In der Frage, warum in manchen Ländern wie Brasilien der Kampf gegen HIV/Aids relativ erfolgreich verlaufen ist und andere Länder wie Südafrika stark nachhinken, hält Lieberman die unterschiedliche Sexualmoral der Gesellschaft für mitentscheidend: Während in Brasilien das Thema Aids offensiv behandelt wurde und etwa beim Karneval öffentlich Kondome verteilt werden, gebe es in Südafrika weniger Liberalität in sexuellen Fragen und auch viel Homophobie in großen Teilen der Bevölkerung. Aids sei zwar keine "Homosexuellen-Krankheit", doch wer HIV/Aids-Kranke besonders stigmatisiere und persönlich ablehne, habe auch eine negative Einstellung zu Homosexuellen, geht laut Lieberman aus Umfragen hervor.

"Verhaltensänderung"

Der Präsident der Hilfsorganisation "Africare", Julius Coles, setzt bei den Programmen in Afrika generell auf "Verhaltensänderung" zur Aids-Prävention: Dazu gehören Beratung und Erziehung sowie die Verteilung von Kondomen. Afrika sei mit zehn Prozent der Weltbevölkerung, aber mehr als 60 Prozent der HIV/Aids-Fälle am weitaus stärksten von der Epidemie betroffen. Die Verbreitung der HIV-Infektionen in Afrika geschehe am häufigsten durch heterosexuelle Kontakte. Besonders Sex zwischen Generationen sowie Sex im Austausch gegen eine wirtschaftliche Leistung spiele dabei eine verheerende Rolle und müsse eingedämmt werden, indem Frauen und Mädchen sozial und wirtschaftlich gestärkt werden, fordert Coles.

In Botswana, dem weltweit am stärksten von der Aids-Epidemie betroffenen Land, setzen die USA laut einem Bericht des Büros für globale Aids-Koordination bei der Prävention auf die Förderung von Verhaltensänderung. Besonders Abstinenz und Treue sollen bei jungen Menschen gefördert werden. Dazu wird eine Radio-Serie mit treuen bzw. sexuell abstinenten Charakteren sowie ein landesweites Netzwerk von freiwilligen Beratern der Kirche finanziell unterstützt. (APA)

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    Aids-Aufklärungs- AktivistInnen beklagen immer wieder die "Rückkehr zum Keuschheitsgürtel"

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