Allianz-Arena-Prozess: Wildmoser bestreitet Vorwürfe

9. Dezember 2004, 13:10
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Im Verfahren wegen der Korruptionsaffäre rund um den Neubau des Münchner Fußballstadion beteuert der Hauptangeklagte seine Unschuld - Sein Mitangeklagter will auspacken

München - Der ehemalige Fußballmanager Karl-Heinz Wildmoser junior hat zu Beginn des Prozesses um den Schmiergeldskandal beim Neubau der Münchner Stadionarena die Vorwürfe der Bestechlichkeit und Untreue entschieden zurückgewiesen. Sein Anwalt Wolf-Rüdiger Bub sagte am Dienstag vor dem Münchner Landgericht, sein Mandant habe "Geld berechtigt empfangen".

Wildmoser habe bereits vor dessen Berufung zum Stadiongeschäftsführer mit der österreichischen Baufirma Alpine und seinem - ebenfalls mitangeklagten - Schulfreund Stefan Dung eine Provisionsvereinbarung getroffen. Hierbei habe Dung die Baufirma auf die Ausschreibung des Stadion-Neubaus hingewiesen und die Aufträge an Alpine vermittelt.

Wildmoser wiederum habe der Baufirma empfohlen, sich mit dem Basler Architekten-Büro Herzog/de Meuron zusammenzutun, das letztendlich siegreich in dem Wettbewerb war. Der Verteidiger betonte, man könne Wildmoser deshalb "nicht den Vorwurf machen, dass er bestochen worden ist und dass er Untreue begangen hat".

"Unschuldsvermutung weitgehend außer Kraft gesetzt"

Der Anwalt warf der Staatsanwaltschaft vor, sie habe "die Unschuldsvermutung weitgehend außer Kraft gesetzt" und zudem einen entscheidenden Teil des Ermittlungsergebnisses in ihrer Anklageschrift außer Acht gelassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem vormaligen Geschäftsführer der Allianz-Arena und des Fußballvereins TSV München 1860 dagegen vor, zusammen mit seinen Komplizen von dem Baukonzern 2,8 Mio. Euro Schmiergeld kassiert zu haben. Für seinen Anteil von 2,2 Mio. Euro habe er im Gegenzug Informationen über die Angebote der Konkurrenz geliefert. Sein wegen Beihilfe mitangeklagter Schulfreund Dung habe eine halbe Mio. Euro kassiert.

Strohmann

Der Immobilienkaufmann soll bei den Zahlungen als Strohmann fungiert und dafür einen Teil der Provisionen bekommen haben. Während Wildmoser und die Alpine-Manager strafbare Handlungen bestreiten, hat Dung ein Geständnis angekündigt.

Wildmoser junior, der im dunklen Anzug zum Prozessauftakt erschien, wirkte zu Verhandlungsbeginn extrem nervös. Sein Vater Karl-Heinz Wildmoser senior, der im Zuge der Affäre als Vereinspräsident des TSV München 1860 zurücktreten musste und nur wenige Tage in Untersuchungshaft saß, erschien nicht zu dem Prozessauftakt. Das Verfahren gegen ihn war im Mai eingestellt worden.

Schadenersatz

Der FC Bayern München und der TSV München 1860 haben als Bauherren der 286 Mio. Euro teuren Allianz-Arena den Angeklagten Wildmoser junior auf 2,8 Mio. Euro Schadenersatz verklagt. In dem neuen Stadion soll das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft 2006 stattfinden.

Der Prozess ist bis Mitte Jänner terminiert. Bei einer Verurteilung drohen Wildmoser junior mehrere Jahre Gefängnis. Der 40-Jährige sitzt bereits neun Monate in Untersuchungshaft. Gegen die beteiligten Alpine-Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. (APA)

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