Das Denken und Wirken von Martin Buber - Tagung an der Uni Wien

3. Dezember 2004, 13:32
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Wien - Denken und Wirken des Philosophen Martin Buber stehen im Mittelpunkt einer internationalen Tagung an der Universität Wien. Ab Donnerstag stehen vier Tage lang Vorträge von israelischen, deutschen, italienischen und österreichischen Experten auf dem Programm.

Buber gilt als Pionier des interreligiösen Dialogs. Sein erstes Ziel war - begründet durch seine Erziehung - die Aussöhnung der zwei großen jüdischen Strömungen in Europa. Er selbst wuchs bei seinem Großvater in Lemberg auf, einem Talmudgelehrten in der Tradition des Chassidismus. Diese vor allem in Osteuropa ausgeprägte Glaubensform setzte auf die Verinnerlichung des religiösen Lebens, auf Mystizismus und Intuition.

Mit 14 Jahren kehrte Buber nach Wien zurück und studierte dort später Philosophie und Kunstgeschichte. Dabei entfremdete er sich vom Chassidismus und wandte sich den weltläufigeren Ideen des westeuropäischen Judentums zu. Als Wendepunkt in seinem Leben gilt die Begegnung mit Theodor Herzl, dem Gründer der zionistischen Bewegung. Mit ihm kämpfte er um die Heimkehr seines Volkes nach Palästina. Dafür schien es ihm wichtig, dass die Juden untereinander ihre religiösen Wurzeln entdeckten und gegenseitig akzeptierten.

Übersetzung des Alten Testaments

Gleichzeitig suchte Buber auch den Dialog mit dem Christentum. Ab 1923 lehrte er an der Universität Frankfurt jüdische Religionswissenschaften und Ethik. Seinen Wohnsitz nahm er in Heppenheim an der Bergstraße, wo er für viele Juden zu einer wichtigen Anlaufstation wurde. Gemeinsam mit seinem Freund Franz Rosenzweig begann er eine neue Übersetzung des Alten Testaments ins Deutsche, in der er den Originaltext von christlichen Interpretationen befreite. Sie fand vor allem im Protestantismus große Beachtung.

Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, legte Buber seine Professur nieder und arbeitete nur noch in der jüdischen Erwachsenenbildung. Mehrmals erhielt er Redeverbot, und seine Lehrerlaubnis wurde eingeschränkt. "Ich habe hier keine Luft zum Atmen mehr", schrieb er in sein Tagebuch und flüchtete 1938 nach Palästina.

In Israel lehrte Buber an der Universität Jerusalem und setzte sich dort unermüdlich für die Versöhnung zwischen Arabern und Juden ein. Als er am 13. Juni 1965 starb, folgten auch einige Araber dem Trauerzug. Eine wirkliche Gemeinde hat der Religionswissenschafter in seiner neuen Heimat jedoch nie gefunden. (APA)

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