Magnetresonanztomographie enttarnt Lügner

6. Dezember 2004, 12:02
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Wissenschafter aus Philadelphia wollen mit funktioneller MR-Tomographie (fMRI) die Aktivierungsmuster beim Lügen visualisieren

Philadelphia, Pennsylvania - Lügen aktiviert bestimmte Regionen im Gehirn, die mit Hilfe funktioneller MR-Tomographie (fMRI) ausfindig gemacht werden können. Wissenschaftler der Temple Universität in Philadelphia, Pennsylvania, glauben, dass diese Technik traditionelle Lügendetektoren ersetzen kann. Konventionelle Detektoren, auch bekannt als Polygraphen, sind extrem umstritten. Die Befürworter des Polygraphen argumentieren dahingehend, dass das Gerät die physiologischen Reaktionen des Körpers auf Stress misst, der durch das Lügen hervorgerufen wird. Geschulte Bediener können angeblich Spitzen in der Atmung, beim Blutdruck und beim Schwitzen auf falsche Antworten zurückführen.

Im fMRI-Scanner zum Lügen gezwungen

Obwohl einige US-Regierungsbehörden diese Tests noch benutzen, hat die US National Academy of Sciences 2003 einen vernichtenden Bericht publiziert, der zum Schluss kommt, das Instrument sei unzuverlässig. Mit entsprechender Übung seien die Testpersonen fähig, ihre physische Reaktion zu mäßigen und ihren Betrug zu kaschieren, so der Bericht. Deshalb suchten Wissenschaftler nach zuverlässigeren Alternativen zu diesem Test. Funktionelle MR-Tomographie könnte der Schlüssel sein, glaubt Scott Faro von der Temple Universität. "Ich glaube dies ist ein wesentlicher Ansatz für das Verständnis dieses komplexen Typs kognitiven Verhaltens", sagte der Forscher.

Faro und seine Kollegen veranlassten sechs Freiwillige ein Spielzeuggewehr abzufeuern. Dann legten sich die Probanden in einen fMRI-Scanner und mussten über ihre Tat lügen. Sie wurden außerdem einem konventionellen Lügendetektortest unterzogen. Fünf weitere Testpersonen, die nicht geschossen hatten, wurden denselben Tests unterzogen, um die Reaktionen zu vergleichen. Die fMRI-Bildgebung zeigte, dass spezifische Teile des Gehirns während des Lügens aktiviert waren. Funktionelle MRI registriert magnetische Signale von Sauerstoff-Atomen, die im Blutkreislauf des Probanden an Eisen-Partikeln hängen. Bei erhöhter Gehirnaktivität wird auch der Blutstrom verstärkt. So wird mehr Sauerstoff transportiert und das erhöht die Signalstärke. Die Technik, die normalerweise für medizinische Zwecke dient, kann Aktivität in millimetergroßen Teilen des Gehirns abbilden.

Teure Methode

Die MRI-Technik könnte besonders nützlich sein, um Personen zu testen, die geübt darin sind, traditionelle Polygraphen-Tests zu umgehen. Ein Experte von der Boise State Universität in Idaho merkte aber an, dass die Methode noch viel billiger werden müsse, bevor sie routinemäßig angewandt werden könne. Effiziente Lügendetektoren wären zur Verstärkung der Sicherheit auf Flughäfen vonnöten, aber Millionen Dollar teure fMRI-Maschinen seien einfach keine leistbare Lösung. Es sei noch zu früh um feststellen zu können, ob fMRI gleich wie der Polygraph ausgetrickst werden könne, erklärte Faro. Dennoch seien die Resultate vielversprechend, weil die charakteristischen Gehirnmuster außerhalb bewusster Kontrolle lägen, was Betrügereien viel schwieriger mache. (pte)

  • Die funktionelle MR-Tomographie (fMRI) ist eine Methode, um die Aktivierung von Nervenzellverbänden in bestimmten Gehirnregionen zu visualisieren. Forscher wollen sie jetzt als Lügendetektor einsetzen.
    derstandard.at

    Die funktionelle MR-Tomographie (fMRI) ist eine Methode, um die Aktivierung von Nervenzellverbänden in bestimmten Gehirnregionen zu visualisieren. Forscher wollen sie jetzt als Lügendetektor einsetzen.

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