Rad: Trotz Hamilton-Rauswurf keine Lizenz für Phonak

7. Dezember 2004, 12:42
5 Postings

Der Internationale Radsport-Verband blieb hart und verweigerte dem Schweizers Team die Teilnahme an der Pro Tour 2005

Lausanne - Paukenschlag im Fall Phonak. Der internationale Radsport-Verband (UCI) hat dem Team die Lizenz für die Pro Tour 2005 definitiv verweigert, obwohl sich der Rennstall von seinem prominentesten Doper Tyler Hamilton getrennt hat. Die ursprügliche Entscheidung vom 13.11. wurde damit bestätigt.

Ein schwerer Rückschlag für den Sport in der Schweiz, die nun ihr einziges Profiteam verliert. Das weitere Engagement des Sponsors, eines Hörgeräte-Herstellers, ist nun sehr fraglich geworden. Nachdem auch die Anträge der Teams AG2R (Frankreich) und Bookmaker (Belgien) auf Lizenzerteilung abgelehnt wurde gab die UCI am Dienstag die Liste der nun bloß 19 Teams bekannt, die ab kommender Saison Startrecht und Startpflicht in den wichtigsten Straßenrennen haben. Mit dabei sind fünf Rennställe mit Österreichern: Gerolsteiner (Totschnig, Wrolich, Haselbacher), CSC (Luttenberger), FdJeux.com (Eisel), T-Mobile (Kohl) und Lampre-Caffitta (Matzbacher).

Too little too late

Am 25. November hatte Phonak die UCI informiert, dass es den bis Ende 2005 laufenden Vertrag mit Tyler Hamilton aufgelöst habe. Der US-amerikanische Teamleader war sowohl bei den Olympischen Spielen als auch in der Vuelta positiv auf Blutdoping getestet worden. Hamilton soll wie sein spanischer Teamkollege Santiago Perez, dessen Vertrag im Dezember ausläuft, Bluttransfusionen durchgeführt haben. Doch auch das Ziehen dieser Reißleine half nicht mehr.

Der Verband zog die Entschlossenheit der Sportgruppe in dem Fall zu Handeln in Zweifel: "Die Einstellung des Team-Managements zu den Enthüllungen gibt Anlass zu ernsten Vorbehalten", hieß es im Spruch der UCI-Kommission. Die Entlassung Hamiltons wäre zu spät erfolgt und könne in dem Einspruchsverfahren nicht mehr berücksichtigt werden. Nur die Fakten des ursprünglichen Lizenzansuchens seien relevant. Die in der vergangenen Woche von Phonak vorgelegte Antidoping-Politik sei "ein Schritt in die richtige Richtung". Darüberhinaus breche das Team weiterhin die UCI-Regularien bezüglich Bildrechten. Phonak bleibt nun nur noch der Gang vor den Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne.

Zweifel am Testverfahren

Der positive Test nach dem olympischen Zeitfahren war Hamilton nur deshalb nicht zum Verhängnis geworden, weil die B-Probe nicht sachgerecht gelagert worden war. Doch dann wurde dem Amerikaner auch bei der Vuelta Blutdoping nachgewiesen. Phonak zog das neue Analyseverfahren aus Australien in Zweifel und setzte eine eigene Expertenkommission ein, um dessen Effektivität zu prüfen. Die Stars Hamilton und Perez wollte man vorläufig nicht opfern. Schon im Frühjahr war mit dem Schweizer Ex-Weltmeister Oscar Camenzind ein prominenter Phonak-Fahrer den Dopingjägern in die Falle gelaufen. Er hat daraufhin seine Karriere beendet.

Hamilton erwartet zusätzlich eine Klage vor dem CAS. Russen und Australier wollen die Aberkennung des Zeitfahr-Goldes erreichen. Der Sieg ginge in diesem Fall an Wjatscheslaw Jekimow, der Australier Michael Rogers würde auf Platz drei aufrücken. (Reuters/APA/SIZ/AFP/rob)

Teilnehmer an der UCI Pro Tour 2005: Gerolsteiner, T-Mobile (beide GER), Davitamon-Lotto, Quick Step (beide BEL), CSC (DEN), Baleares, Euskaltel, Liberty, Saunier-Duval (alle ESP), Discovery Channel (USA), Bouygues Telecom, Cofidis, Credit Agricole, Fdjeux.com (alle FRA), Fassa Bortolo, Liquigas, Lampre-Caffitta, Domina Vacanze (alle ITA), Rabobank (NED).

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schlechte Nachrichten für Urs Freuler, den sportlichen Leiter von Phonak. Die Zukunft seines Teams ist nach der UCI-Entscheidung äußerst ungewiss.

Share if you care.