Kaum Hoffnung auf den Gesamtweltcup

7. Dezember 2004, 13:04
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Speed-Spezialistin Ren­ate Götschl ist gegen Pärson und Co. im Kampf um großes Kristall nur Außenseiterin - Damen in Lake Louise zu Gast

Lake Louise/Alberta - Eine Woche nach den Herren geht es auch für die Damen in Lake Louise endlich mit den Speed-Bewerben los. Und keine ist so froh darüber wie Renate Götschl, Österreichs heißestes Eisen im Kampf um den Gesamtweltcup. Doch die 29-jährige Steirerin weiß, dass sie als Speed-Spezialistin gegen Anja Pärson und Co. nur Außenseiterin ist. "Deshalb zerbreche ich mir über die große Kugel nicht den Kopf, die ist nämlich nicht einfach so zu gewinnen", erklärt Götschl, warum sie sich neben der WM in erster Linie eine kleine Kugel zum Saisonziel gesetzt hat.

Technik-Bwerbe im Vorteil

Götschl hat ja schon mehrfach die Gründe genannt, warum der Gesamt-Weltcup mittlerweile wohl nur noch über die technischen Disziplinen zu gewinnen ist. Weil es prinzipiell mehr Saisonrennen aus diesem Bereich gibt als schnelle Bewerbe, "und zudem Abfahrten oder Super G eher Opfer von Wetterabsagen werden als umgekehrt", so Götschl.

Und während gute Riesentorläuferinnen mit ein wenig Mut auch in den schnellen Disziplinen gut punkten könnten, "musst du als Speed-Spezialistin schon fast jedes zweite Rennen gewinnen und zudem auch im schwierigen Riesentorlauf punkten, um eine Chance zu haben". Die Tendenz, dass die Abfahrten zudem immer leichter werden, war der Steirerin ja schon vergangene Saison auf den Kopf gefallen.

Auch Riesentorlauf und Slalom trainiert

Deshalb hat sie vor dieser Saison intensiv wie noch nie auch Riesentorlauf und Slalom trainiert. Im RTL hat es mit Platz acht in Aspen bereits gut funktioniert, im Slalom kam sie bisher noch nicht in die Punkte. "In dieser Disziplin braucht es Training, Training und noch einmal Training. Ich würde es aber nicht tun, würde ich keinen Sinn darin sehen", betont Götschl.

Negative Auswirkungen auf die Abfahrt befürchtet sie nicht. "Die Form passt. Ich hoffe sehr, dass ich sogar zugelegt habe." Ein Materialwechsel war bei der Obdacherin kein Thema. "Ich bin jetzt zwei Jahre immer mit Verletzungen gefahren und wollte nicht wieder bei Null anfangen. Außerdem bin ich mit Salomon sehr zufrieden."

Görgl stürzt sich ins Abfahrtsabenteuer

Auch im Skiverband ist man sich der Tendenz längst bewusst, lässt sich aber Zeit mit dem Einsatz der jungen Läuferinnen in den Speed-Bewerben. "Das ist der Weg, der einzuschlagen ist. Wir müssen ihn aber behutsam gehen", erklärt Damenchef Herbert Mandl. Nicole Hosps Abfahrtsauftritt in Kanada war deshalb schon vor dem Sturz in Aspen abgeblasen worden, dafür wird Marlies Schild mittrainieren. Elisabeth Görgl wird sogar beide Abfahrten und den Super G bestreiten.

Die 23-jährige Steirerin freut sich schon auf das Abfahrtsabenteuer. "Lizz" gilt ja als extrem mutige und draufgängerische Läuferin und will den Trend für sich nutzen. "Wenn man den nötigen Mut und das Gefühl fürs Gleiten hat, kann man sich in den schnellen Bewerben sicher leichter steigern als umgekehrt, das sieht man ja auch bei Götschl", weiß auch die Kapfenbergerin.

Dass sich im Gegensatz zu den Speed-Bewerben im Slalom ja auch die Technik radikal geändert hat, sei ein zusätzliches Indiz. Vielleicht, so Görgl, kommt aber ohnehin alles anders. "Es kann ja auch sein, dass sich Pärson, Poutiainen und Kostelic die Punkte wegnehmen und Renate in den Speed-Bewerben in aller Ruhe punkten kann."(APA)

  • Renate Götschl will auch in RTL und Slalom punkten.

    Renate Götschl will auch in RTL und Slalom punkten.

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