"Wenn man in der ganzen Welt wirbt, findet man genug Idioten"

30. Dezember 2004, 13:57
26 Postings

Erster Strafprozess in den USA gegen Spammer - Einblicke in die Hintergründe des Geschäfts mit den illegalen Werbe-Mails

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie von Jeremy Jaynes schon einmal Post bekommen haben. Jaynes war als Spammer aktiv. Gestoppt wurde er jetzt von den Behörden des US-Bundesstaats Virginia. Ein Gericht in Leesburg sprach Jaynes schuldig. Das Strafmaß im ersten Strafprozess der USA wegen Spam wird im Februar verkündet.

Einblicke

Der Prozess gewährte einen seltenen Einblick in die Abgründe des Spam-Geschäfts. Jaynes gehörte nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu den erfolgreichsten seiner Branche und erzielte Monatsgewinne bis zu 750.000 Dollar (566.000 Euro). Die von dem 30-Jährigen verschickten Massensendungen, rund zehn Millionen E-Mails am Tag, warben für Pornografie, neue Software oder für Angebote zur Heimarbeit. Um die Welt mit seiner Werbung einzudecken, nutzte er 16 Breitbandverbindungen - das entspricht etwa der Internet-Anbindung einer Firma mit rund 1.000 Mitarbeitern.

Auf 30.000 Mails kam für Jaynes nur eine Antwort

Spam lohnt sich allein wegen der immensen Masse der versendeten Werbe-Mails, wie sich in dem Verfahren zeigte. Tatsächlich reagieren nur wenige Menschen auf ein Spam-Angebot: Auf 30.000 Mails kam für Jaynes nur eine Antwort. Auf eine millionenfache Verbreitung hochgerechnet, erhielt Jaynes aber in einem durchschnittlichen Monat mehr als 10.000 Anfragen zu seinem Kreditkarten-Angebot. Für jede Antwort bekam er 40 Dollar (30 Euro) und erzielte somit einen Monatsumsatz von mehr als 400.000 Dollar (302.000 Euro). Damit konnte er spielend seine monatlichen Fixkosten von rund 50.000 Dollar (37.750 Euro) für die Internetverbindung und andere Investitionen decken.

"Wenn man in der ganzen Welt wirbt, findet man genug Idioten"

"Wenn man in der ganzen Welt wirbt, findet man genug Idioten", die auf Spam hereinfallen, erklärte Staatsanwalt Russell McGuire. Die Anklagebehörde schätzte das Vermögen des Spammers auf bis zu 24 Millionen Dollar (18,1 Millionen Euro). Seinen Datenbestand von mehreren Millionen E-Mail-Adressen kamen aus illegalen Quellen mit Adressen von AOL- und eBay-Kunden.

Filmaufnahmen

Die Staatsanwaltschaft verfügt über Filmaufnahmen, auf denen Jaynes vor mehreren Computern sitzend damit prahlt, dass er im "Spam-Hauptquartier" sitze. Dabei agierte er nahezu allein, obwohl die Spam-Mail rund um die Uhr versendet wurde. Seine Schwester wurde unter der gleichen Anklage verurteilt, erhielt aber keine Gefängnisstrafe. Ein dritter Beschuldigter wurde freigesprochen.

Neun Jahre Haft

Für Jaynes beantragte die Staatsanwaltschaft neun Jahre Haft. Sein Anwalt zeigte sich aber zuversichtlich, dass eine Haftstrafe spätestens in der Berufungsverhandlung wieder aufgehoben wird.(APA/AP)

  • Jeremy Jaynes

    Jeremy Jaynes

Share if you care.