Vergewaltigungsvorwurf gegen Royal Army

7. Dezember 2004, 16:52
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150 Anschuldigungen über Vergewaltigungen, Rassismus, erniedrigende Behandlung und systematische Schikanen

Nach den Folterungen deutscher Rekruten, die weiterhin für heftige Debatten sorgen, sind auch in Großbritannien Vorwürfe wegen Misshandlungen im Heeresbereich bekannt geworden. Es geht unter anderem um Vergewaltigungen.

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Rund 150 Anschuldigungen britischer Heeresangehörige bezüglich Vergewaltigungen, Rassismus, Erniedrigungen und systematischer Schikanen enthält ein interner Untersuchungsbericht der Polizei in der Grafschaft Surrey. Dies berichteten am Dienstag britische Medien über entsprechende Vorfälle in der Deepcut-Kaserne und anderen Standorten.

Der unter Verschluss gehaltene Bericht war der Presse zugespielt worden. Unter anderem geht es um Vorwürfe mehrerer ehemaliger Rekrutinnen, von Kameraden vergewaltigt worden zu sein. Auf Beschwerden bei Vorgesetzten habe es keine Reaktionen gegeben. Offiziere sollen Soldatinnen ein "leichteres Leben" für den Fall sexueller Gegenleistungen versprochen haben.

Die Polizei betonte, die Anschuldigungen seien "ungeprüft" und müssten mit größter Vorsicht betrachtet werden. Das Verteidigungsministerium in London deutete unterdessen an, dass die Royal Army den schwer wiegenden Vorwürfen nachgehen müsse. Eine "Missbrauchskultur" gebe es jedoch bei den Streitkräften nicht.

Der Bericht entstand im Zuge von Ermittlungen zum Tod von vier Rekruten, die zwischen 1995 und 2002 in der Deepcut-Kaserne an Schussverletzungen starben. Diese Ermittlungen waren jedoch laut Angaben der Polizei ergebnislos verlaufen.

Bundeswehr beschwichtigt

Zur Folteraffäre an deutschen Militärstützpunkten hat am Dienstag ein Sprecher der Bundeswehr erklärt, es gebe keine Hinweise auf eine große Zahl von Misshandlungen über die bisher bekannt gewordenen Fälle hinaus. Diese Einschätzung wurde im Verteidigungsministerium bestätigt. Dort wurde mit Blick auf Medienberichte über eine verstärkt "einsatznahe" Ausbildung betont, die Vorschriften dazu ließen keinen Spielraum für Misshandlungen wie im westfälischen Coesfeld oder bei den anderen bekannt gewordenen Fällen.

Das Verteidigungsministerium bestätigte einen Vorausbericht des Magazins Stern, wonach eine seit Sommer geltende Regelung die einsatznahe Ausbildung auch bei Grundwehrdienstleistenden vorsieht. Damit solle verhindert werden, dass ein Rekrut in wichtigen Bereichen von Grund auf trainiert werden müsse, wenn er sich länger verpflichte und für einen Auslandseinsatz infrage komme. (Reuters, dpa/DER STANDARD; Printausgabe, 1.12.2004)

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