Annan nach Korruptionsvorwürfen gegen seinen Sohn unter Druck

3. Dezember 2004, 20:28
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US-Botschafter verweigert UN-Generalsekretär das Vertrauen - Annan ist "enttäuscht" über seinen Sohn Kojo

New York – Der Vater ist vom Sohn "sehr enttäuscht". Und nicht nur das: UNO-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich auch "überrascht", dass sein Sohn Kojo Annan ihm nicht mitgeteilt hatte, dass er von 1999 bis Februar 2004 ein monatliches Salär über 2500 Dollar von jener Firma bezog, die das "Oil for Food"-Programm der UNO im Irak überwachte. Und zwar: ohne für die Firma zu arbeiten. Insgesamt soll Kojo Annan in diesen 50 Monaten 125.000 Dollar bekommen haben. Die Begründung der zahlenden Firma Cotecna: Kojo Annan wurde bezahlt, um nach seinem Ausscheiden aus der Firma nicht mit ihr zu konkurrieren.

Das "Oil for food"-Programm ist wegen Korruptionsvorwürfen höchst umstritten. US-Ermittler nehmen an, dass Saddam Hussein persönlich mehr als 20 Milliarden Dollar aus der Hilfsmaßnahme abgezweigt hat. Auch der Leiter des UN-Programms, Benon Sevan soll sich persönlich bereichert haben. Und: Die Schweizer Firma Cotecna bekam den Zuschlag für die Überwachung des "Oil for food"-Programms ganz kurz nachdem Kojo Annan die Firma verlassen hatte.

Annan unter Druck

Kojos Vater, Kofi Annan ist durch die Korruptionsvorwürfe gegen seinen Sohn massiv unter Druck geraten. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Danforth, weigerte sich am Dienstag dem UNO-Generalsekretär das Vertrauen auszusprechen, solange nicht alle Tatsachen zu dem Skandal auf dem Tisch seien. "Die Vorwürfe sind sehr ernst", so Danforth. Kolumnisten der New York Times und des Wall Street Journals forderten Annans Rücktritt.

Der UNO-Generalsekretär selbst meinte, dass er ein enges Verhältnis zu seinem Sohn, habe, dass dieser aber ein unabhängiger, erwachsener Mann sei. Aber Kojo arbeite in einem anderen Bereich. "Er ist erwachsen und ich mische mich nicht in seine Angelegenheiten ein, genauso wie er sich aus meinen heraushält", so der UNO-Generalsekretär. Allerdings würde der Korruptionsskandal rund um das "Oil for food"-Programm seine Arbeit deutlich erschweren, so Annan. Sein Sprecher unterstrich, dass Kofi Annan nicht an der Auswahl der Firma beteiligt war.

Resolution 986

Der Hintergrund: Im April 1995 erließ der UN-Sicherheitsrat die Resolution 986, die Grundlage für das "Oil for food"-Programm, das dem Irak erlaubte 53 Prozent – später waren es 59 Prozent – ihrer Einkünfte aus dem Verkauf von Erdöl für den Ankauf von Nahrung zu verwenden. Um die Ankunft der Hilfsgüter zu kontrollieren, wurde ab 1996 eine britische Firma beschäftigt. Nach einer neuerlichen Ausschreibung im Jahr 1998 kam Cotecna Inspection zum Zug, eine Firma mit Sitz in Genf. Ab 1999 soll Cotecna laut Neue Züricher Zeitung jährlich etwa 6,6 Millionen Dollar an der Aufgabe verdient haben. Der Vertrag wurde mehrmals erneuert. Bereits im Jahr 1999 wurde in der britischen Presse berichtet, dass Kojo Annan bei Cotecna beschäftigt war. Kojo Annan war von Dezember 1995 bis Dezember 1997 zuerst als Praktikant in Genf und dann als Verbindungsmann in Nigeria angestellt. Danach arbeitete er für die Firma als Berater. (awö/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2004)

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    Kofi Annan hat Sorgen mit seinem Sohn Kojo

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