Bode Miller

20. Dezember 2004, 13:14
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Nicht alle Bubenträume platzen

Träume sind zum Leben da, schrieb man und führte Bode Miller als typisches Beispiel für das grenzenlose Selbstbewusstsein der US-Sportler an. Das war im Februar 2001 anlässlich der WM in St. Anton. "Ich will mit zwei Medaillen heimfahren. Vom Speed her bin ich der Beste von allen", posaunte Miller, ehe es ihn in der Kombinationsabfahrt fürchterlich zerlegte. Noch harrte der Kreuzbandriss der Diagnose, da sagte der damals 23-Jährige beim Weghumpeln: "Ich fahre noch Riesenslalom und Slalom, notfalls mit einer Schiene." Der Arzt verbot dies und gab ihm einen Operationstermin.

In der nächsten Saison begann Miller zu siegen. Heuer schaffte er noch nie da Gewesenes. Er gewann die ersten drei Weltcuprennen der Saison, einen Riesenslalom, eine Abfahrt und einen Super-G, hält bei insgesamt 15 Weltcupsiegen, zwei WM-Titeln, einer WM-Silbernen und zwei olympischen Silbermedaillen. Und weil er in Slaloms auch schon erfolgreich war, ist er seit Sonntag der fünfte Skirennläufer der Weltcupgeschichte, der Siege in allen Disziplinen gesammelt hat.

Miller kam am 12. Oktober 1977 in Franconia, New Hampshire, zur Welt, verbrachte die Winter seiner Kindheit mit zwei Schwestern und einem Bruder in einem Blockhaus in den Bergen - fernab der Zivilisation, ohne Strom und Telefon. Die Eltern waren Hippies. Und Bode träumte davon, ein Superstar zu werden. Damals war nur noch nicht klar, in welcher Sportart, er spielte Eishockey, Tennis, fuhr mit dem Snowboard und war damit, wie er sagt, viel besser als auf Skiern.

Die Boarder allerdings waren in vielen Skiressorts ausgeschlossen, also wandte er sich doch wieder dem alpinen Skilauf zu, düste durch den Wald, gewann Kinderrennen in der Umgebung. Seine Mutter, die zwei Brüder hat, die es bis in den Europacup schafften, schickte den damals 14-Jährigen auf die Rennfahrerschule nach Maine, wo er eine vierjährige Grundausbildung genoss. Mit viel Glück und bei der letzten Chance schaffte er den Sprung ins US-Nationalteam. "Hätte ich es nicht geschafft, wäre ich nach Florida gefahren und hätte als Tennisprofi angefangen. Mir ist nämlich das Geld ausgegangen." Selbstverständlich ist Bode Miller davon überzeugt, dass er es auch im Tennis bis ganz nach oben geschafft hätte.

Gute Tipps gibt er, der winters in Patsch bei Innsbruck daheim ist, sich am liebsten selbst. Die Ratschläge seiner Trainer, sich doch auf drei Disziplinen zu beschränken, wies er entrüstet zurück. Die Verantwortlichen seiner ersten Skifirma, Fischer, wollten ihm die Abfahrtsskier verstecken, damit er sich nicht wehtut, was misslang - weshalb er sich wehtat. Später wechselte Miller zu Rossignol, seit heuer fährt er Atomic. Und ist, zumindest bis jetzt, vom Speed her der Beste von allen. (DER STANDARD, Printausgabe 30. November 2004,Benno Zelsacher)

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