Österreicher-Boom auf slowenischen Bühnen

3. Dezember 2004, 12:17
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Thomas Bernhard "Am Ziel" und Peter Handkes "Kaspar" hatten am Wochenende in Laibach Premiere

Laibach - Gleich drei Theaterstücke österreichischer Autoren sind derzeit an Bühnen der slowenischen Hauptstadt Laibach zu sehen. Samstag hatte auf der kleinen Bühne des Slowenischen Nationaltheaters Thomas Bernhards "Am Ziel" Premiere, gestern, Sonntagabend, folgte im Slowenischen Jugendtheater Peter Handkes 1968 entstandenes Theaterstück "Kaspar". Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wienerwald" stehen auf der Großen Bühne des Slowenischen Nationaltheaters bereits seit einigen Monaten auf dem Spielplan.

Bisher sind in Slowenien bereits sechs Werke des "Österreichhassers", wie Bernhard in den Medien bezeichnet wird, aufgeführt worden. Das ist fast ausschließlich der Verdienst des bekannten Regisseurs Dusan Mlakar, er inszenierte fünf davon. "Auf allen Gipfeln ist Ruh'" kam 1983 auf die Bühne des "Primorsko dramsko gledalisce" in Nova Gorica (Neu Görz), im gleichen Theater im Jahre 1988 "Der Theatermacher". Das Werk "Vor dem Ruhestand" brachte im Slowenischen Nationaltheater der bedeutende slowenische Regisseur Mile Korun im Jahre 1994 auf die Bühne. Es folgten wieder drei Mlakar-Inszenierungen: "Ritter, Dene, Voss" (2001), "Der Weltverbesserer" (2002) und jetzt "Am Ziel", alle auf der Kleinen Bühne des Nationaltheaters. Im letzten Stück, das von Mojca Kranjc übersetzt wurde, spielt die bekannte slowenische Schauspielerin Milena Zupancic die Hauptrolle und hält "den längsten Monolog ihres Bühnenlebens", wie sie sagte.

Handkes "Kaspar" wird in Slowenien schon zum zweiten Mal inszeniert. Ein Jahr nach der Frankfurter Uraufführung kam das Werk 1969 auf die Bühne des damals gerade gegründeten Laibacher Experimentaltheaters "Glej" (Schau). Das Stück ist von Lado Kralj übersetzt worden, die Regie übernahm diesmal Jaka Ivanc aus der jüngsten Generation slowenischer Regisseure, die Titelrolle spielt Ivan Peternelj. Das Jugendtheater, das in Kellerräumen eines großen Hauses untergebracht ist und von erfahrenen Theaterleuten geführt wird, ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Ort der Theater-Avantgarde in Slowenien bekannt. (APA)

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