Semperoper mag nicht weiter sparen

3. Dezember 2004, 12:17
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Es droht Substanzverlust: Jährliche Tarifsteigerungen bei stagnierenden Zuschüssen nicht länger auszugleichen

Dresden - Der Semperoper droht bei weiteren Einsparungen Substanzverlust. "Wir können jährliche Tarifsteigerungen von mindestens 800.000 Euro bei stagnierenden Zuschüssen nicht länger ausgleichen", sagte der Intendant der Sächsischen Staatsoper Dresden, Gerd Uecker. Sollte die Entwicklung so weitergehen, seien nur noch weniger Produktionen realisierbar als bisher. Auch die Zahl "einkommensschwacher Vorstellungen" könnte verringert werden. Davon wäre in erster Linie moderne Opernliteratur betroffen.

Nach Aussagen von Uecker möchte die Semperoper aber auf keinen Fall einen populistischen Spielplan, in dem nur Klassiker vorkommen. Stücke wie das von der Kritik hoch gelobte "Wie liegt die Stadt so wüste, die voll Volkes war" mit Musik von Heinrich Schütz und Matthias Weckmann sollen im Programm bleiben, auch wenn der Verkauf nur schleppend läuft. Dass die Bilderfolge über die Schrecken des Krieges gerade in einer Stadt wie Dresden auf mangelndes Interesse stößt, hat den Intendanten überrascht.

Uecker zufolge sollte erfolgreiches Wirtschaften mehr belohnt werden. Die Semperoper erziele inzwischen 36 Prozent des Gesamtetats selbst - neben München ein Spitzenwert in Deutschland. Für die Motivation des Personals sei es wichtig, auch wieder andere Signale zu setzen und einen Ausgleich für die Tarifsteigerungen vorzunehmen. "Irgendwann sind wir arithmetisch am Ende. Aus einer Ein-Liter-Flasche kann man nun mal nicht anderthalb Liter gewinnen." (APA/dpa)

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