Emilia, die "große Unbekannte" bleibt ungehört

4. Dezember 2004, 10:26
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Der Versuch des Schweizers Gian Manuel Rau, Moralapostel Lessing im Grazer Schauspielhaus erträglich zeitgemäß zu inszenieren, scheitert

Graz - Der Versuch des Schweizers Gian Manuel Rau, Moralapostel Lessing im Grazer Schauspielhaus erträglich zeitgemäß zu inszenieren, scheitert, wie so ziemlich alles andere, was rund um Emilia Galotti an diesem Abend passiert.

Emilia selbst (Andrea Wenzl) bleibt die Unbekannte im Spiel. Sie hechtet sich voller Energie über die Bühne, ohne verraten zu dürfen, ob und wen sie wirklich liebt. Aber im spitalsgrünen Salon tummeln sich viele Figuren, die nicht wirklich miteinander spielen. Ungewollt komisch: Gerhard Balluch, der sich in der rosa Gewandung eines chinesischen Karl Lagerfelds als Kammerherr Marinelli um schnelles Sprechen bemüht. Fremd wirkt auch Franz Solar, der wie der verlorene Bruder der Daltons als Angelo einhertänzelt. Da kann auch ein konzentriert arbeitender Sebastian Reiß als Prinz von Guastalla nichts retten, ebenso wenig wie Mordopfer Graf Appiani, den Daniel Doujenis auf Deutsch und Griechisch geben muss. Was immer Rau dem Publikum sagen wollte, bleibt ungehört. Schade um ein mutiges Ensemble. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2004)

Schauspielhaus
8010 Graz
Hofgasse 11
0316/ 80 08-44
bis 14. 12., jeweils 19.30 Uhr
  • Artikelbild
    foto: schauspielhaus graz/manninger
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