Wer den Schaden hat

8. Februar 2005, 16:07
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VA Tech: Privatisierungspolitik auf Österreichisch - Ein Kommentar der anderen von Hermann Kepplinger

"Lernen Sie Betriebswirtschaftslehre, Herr Vorstandsdirektor!", rät Generaldirektor Raidl dem ÖIAG-Manager Wiltsch einem profil-Artikel zufolge. Diesen Ratschlag begründet der Kanzlerberater mit einer denkbar schlechten Performance der ÖIAG im Zusammenhang mit deren letzten Privatisierungsversuchen.

Der Plausibilität dieser generellen Kritik kann sich der aufmerksame Beobachter der österreichischen Wirtschaftspolitik sicher nur schwer entziehen, im speziellen Falle der VA Tech könnte man aber durchaus eine andere Perspektive vertreten.

Lassen wir die Chronik des VA-Tech-Verkaufs an Siemens kurz Revue passieren: Im Mai 2003 kauft eine Investorengruppe rund um Mirko Kovats das 19,05 % umfassende VA-Tech-Aktienpaket der Voestalpine zu rund 25 Euro pro Aktie. Damit ist diese Investorengruppe nach der ÖIAG, die damals etwa 25 % an der VA Tech gehalten hat, zweitgrößter Aktionär.

Knackpunkt Kovats?

Was die ÖIAG daraufhin im August 2003 macht, erschien den wenigsten Kommentatoren wirklich nachvollziehbar. Sie verkauft zum klar unterbewerteten Kurs von 24,60 Euro pro Aktie rund 9 Prozent ihres VA-Tech-Anteils über die Börse und muss sich in sehr vielen nachfolgenden Analysen den Vorwurf gefallen lassen, vor dem Hintergrund des danach steigenden Aktienkurses ein äußerst schlechtes Geschäft gemacht zu haben.

Was diese Kommentare aber übersehen, ist, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die VA-Tech-Aktie erst durch die Börsentransaktion der ÖIAG in Richtung Kursgewinne unterwegs war. Warum? Mit dieser Verkaufstransaktion hat die ÖIAG ihren beherrschenden Einfluss aufgegeben, damit die Eigentümerstruktur der VA Tech nachhaltig destabilisiert wird, und die logische Konsequenz daraus war, dass wochenlange Übernahmespekulationen den Kurs nach oben getrieben haben.

Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass es nicht Kovats war, der die Eigentümerstruktur der VA Tech ins Wanken gebracht hat, sondern dass dafür ausschließlich die ÖIAG verantwortlich ist. Betriebswirtschaftlich eine durchaus ausgefeilte Strategie, wenn man das Ziel hat, aus einer Verkaufstransaktion so viel Gewinn wie möglich zu machen.

Eigentümliche Logik

Wenn man allerdings - und das ist beim Privatisierungsauftrag die VA Tech betreffend eindeutig der Fall - den Auftrag hat, einen stabilen österreichischen Kernaktionär zu finden, dann wird die ÖIAG mit dem wahrscheinlich bevorstehenden Verkauf ihrer Anteile an den VA-Tech-Konkurrenten Siemens einen massiven volkswirtschaftlichen Schaden verursachen und in mittelfristiger Perspektive auch die Gefährdung tausender Arbeitsplätze zu verantworten haben.

Wenn dieses Ergebnis also auf die von Raidl diagnostizierte Unfähigkeit des ÖIAG-Vorstandes zurückzuführen ist, ist das schlimm genug. Wenn hinter dieser Vorgangsweise allerdings der Eigentümerauftrag steht, den Verkaufserlös zu maximieren, dann hat die ÖIAG zumindest in diesem Fall gute Arbeit geleistet - und die Republik Österreich eine unglaubwürdige Bundesregierung. (DER STANDARD Printausgabe, 30.11.2004)

Hermann Kepplinger (52), promovierter Ökonom, ist SP-Landesrat in Oberösterreich
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