Diebe machen Schrott zu Geld

2. Dezember 2004, 13:05
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Die Zahl der Metalldiebstähle steigt an - Gestohlen werde alles - von Schrott bis zu Telefonkabeln

Wien - Woran Alchemisten bisher gescheitert sind, bringen Langfinger offenbar zusammen: aus alten Metallen Geld zu machen. Die Wirtschaftskammer (WK) sorgt sich um die steigende Zahl der Schrottdiebstähle, bei der Exekutive wird die Lage unterschiedlich eingeschätzt.

"Aufgrund der starken Nachfrage der Stahlindustrie und der Metallschmelzer bekommt man für Metallschrott derzeit das Doppelte des normalen Preises", schildert Walter Hochleitner, Obmann des WK-Gremiums der Sekundärrohstoffhändler. "Für eine Tonne gibt es rund 150 bis 200 Euro", rechnet er vor.

Abtransport von Altmetall lohnend

Ein Preis, der offenbar den widerrechtlichen Abtransport von Altmetall lohnend macht. "Wir haben in den vergangenen Monaten verstärkt Meldungen von Diebstählen bekommen, besonders Ostösterreich und Oberösterreich sind betroffen", schildert Hochleitner. Um die Vorfälle besser erfassen zu können, sollen sich die 700 Betriebe in Österreich per E-Mail melden.

Gestohlen werden alle Metallarten, nicht nur von Schrottplätzen. Auch Telefonkabel verschwinden: In Oberösterreich brachen Unbekannte in der vergangenen Woche in Timelkam (Bezirk Vöcklabruck) in eine Firma ein und und transportierten 215 Laufmeter Edelstahlrohre und 630 Kilogramm Stahlplatten im Wert von 20.000 Euro ab.

Alois Lißl, Oberösterreichs Sicherheitsdirektor, kennt das Problem. "Wir haben immer wieder derartige Delikte im Großraum Gmunden und im Großraum Perg. Warum gerade dort, wissen wir noch nicht", erzählt er. Mittlerweile sei zwar eine kleine Ermittlungsgruppe mit den Nachforschungen betraut, die habe aber noch keine handfesten Resultate liefern können.


Oberleitungsdiebe

"Es kommen auch sehr wenige Hinweise aus der Bevölkerung, da die Täter offenbar meist mit Klein-Lkw oder Anhängern kommen und für normale Wirtschaftsfuhren gehalten werden", bedauert Lißl. Auch bei ungewöhnlicheren Diebstählen gibt es keine Zeugen: So wurden bei einer Museumsbahn zwischen Linz und St. Florian die Oberleitungsdrähte aus Kupfer zur Beute.

Beim Bundeskriminalamt (BK) registriert man dagegen bisher keine auffällige Delikthäufung, meint BK-Sprecher Gerald Hestzera. "Wir wissen nur von einer ungarischen Bande, die in Niederösterreich verhaftet wurde, und einem an der Grenze aufgedeckten Diebstahl von Alu-Leitplanken." Nach Gesprächen mit der Wirtschaftskammer, in denen neue Fälle ans Licht kamen, wurde aber nun ein Treffen vereinbart, in dem Strategien entwickelt werden.

Bei der Kammer erhofft man sich nicht nur Nachrichten von Geschädigten, sondern auch von potenziellen Abnehmern. Denn nicht jeder Schrott wird ins Ausland gekarrt, auch in Österreich wird er verscherbelt. "Zum Teil wird die Beute schwarz verkauft, aber es werden auch ,legale' Angebote gemacht", weiß Funktionär Hochleitner. "Vorsichtig sollte man sein, wenn jemand gleichzeitig An- und Verkauf offeriert. Da wird oft nur das Gelände ausspioniert, und ein, zwei Nächte später wird dann eingebrochen." (Michael Möseneder, Der Standard, Printausgabe, 30.11.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Schrottplatz als Tatort.

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