Gen-Problem bei wiederangesiedelten Wölfen

6. Dezember 2004, 12:04
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Genetische Vielfalt in nordamerikanischen Populationen deutlich niedriger als im 19. Jahrhundert

Los Angeles - Die Ausrottung des Wolfs in den USA hat verheerendere Auswirkungen auf die genetische Vielfalt der verbleibenden Populationen als bisher angenommen. Obwohl die Wölfe in Nordamerika die letzten Jahrhunderte systematisch ausgerottet wurden, glaubten die Experten, dass der menschliche Einfluss auf die kanadischen Wölfe, deren Zahl gesunde 70.000 beträgt, unbedeutend war. Umweltschützer nahmen an, dass die kanadische Population die gleiche genetische Vielfalt hatte wie im 19. Jahrhundert vor den Massenschlachtungen, und dass Wiederbesiedelungen dieser Wölfe in den USA in kleinem Umfang zu einer gleichwertigen Artenvielfalt führen könnten wie sie früher herrschte.

Aber diese Annahmen waren falsch, behaupten Forscher von der Universität von Uppsala in Schweden und von der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Sie untersuchten die genetische Vielfalt der ursprünglichen Wolfspopulationen mithilfe der DNA-Analyse. Sie verwendeten Knochenproben des Grauwolfs von 1856 und verglichen die genetische Vielfalt mit der des heutigen Wolfs. "Wir entdeckten einen 43-prozentigen Rückgang der genetischen Variabilität beim modernen Wolf", erklärte der Forscher Carles Vila. Es sei den Wolfspopulationen unmöglich, diese wichtige Vielfalt wiederzuerlangen, die ihnen ermöglicht, sich an geänderte Herausforderungen der Umwelt anzupassen.

Maßnahmen griffen nicht wie gedacht

Wilde Wölfe aus ganz Nordamerika waren gefangen genommen und vor zehn Jahren im Yellowstone Nationalpark in Wyoming angesiedelt worden. Die Forscher hatten gehofft, dass die Auswahl von Wölfen vom ganzen Kontinent eine Population mit einer hohen genetischen Vielfalt schaffen würde. Doch die neuesten Untersuchungen zeigen, dass das nicht passiert ist. Die Wissenschaftler vermuten, dass die begrenzte genetische Variation die Wölfe anfällig für Krankheiten und geänderte Umweltbedingungen macht, und die Fähigkeit des Rudels einschränkt, unter geänderten Bedingungen zu überleben.

Aber Tim Wacher von der Zoologischen Gesellschaft in London sagte, das mache keinen Unterschied. "Die Zukunft des Wolfs kann in beide Richtungen gehen. Es ist möglich, dass eine Krankheit die gesamte Population vernichtet, es kann aber auch sein, dass der Verlust der genetischen Vielfalt den Fortbestand überhaupt nicht berührt." Erst kürzlich sei erforscht worden, dass die genetische Vielfalt von wilden Geparden unglaublich einheitlich ist im Vergleich zu anderen Spezies, aber sie scheint das Überleben der Jungtiere oder der Spezies als Gesamtheit keineswegs beeinflusst zu haben. (pte)

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