Deutschland: Weihnachtsgeschenke kann man auch mit D-Mark zahlen

6. Dezember 2004, 13:02
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Immer mehr Geschäfte akzeptieren zu Weih­nachten auch D-Mark - Mit Erfolg, denn knapp drei Jahre nach der Euro-Einführung ist fast die Hälfte der alten Münzen noch im Umlauf

"Wir nehmen auch D-Mark", lockt ein Schild in der Auslage des Reisebüros in den Arkaden am Potsdamer Platz in Berlin. "Dieses Angebot wird von Kunden sehr gerne angenommen", berichtet die Verkäuferin.

Durchschnittlich jeder zwölfte Kunde mache davon Gebrauch. Vor allem ältere Kunden wollen ihre D-Mark-Münzen loswerden. "Viele wissen nicht, wohin sie sich zu wenden haben, wenn sie noch Mark finden."

Die Aktion der Modekette C & A findet immer mehr Nachahmer. Die Bekleidungskette hatte nach dem Erfolg vergangenes Jahr heuer erneut am 19. November damit begonnen, in allen 312 deutschen Kaufhausfilialen bis Heiligabend Banknoten und Münzen der alten Währung zu akzeptieren.

Wechselgeld in Euro

Das Wechselgeld wird in Euro ausgezahlt. "Den meisten Leuten ist es einfach zu umständlich, das Geld zu einer Filiale der Bundesbank zu bringen", sagte der Sprecher. An eine ähnliche Aktion in Österreich mit Schillingen sei jedoch nicht gedacht.

Nach Angaben der Bundesbank sind tatsächlich noch beträchtliche D-Mark-Bestände im Umlauf. Bis Ende Oktober seien 46 Prozent des im Dezember 2000 im Umlauf befindlichen D-Mark-Münzbestandes noch nicht zurückgegeben worden, so eine Sprecherin der deutschen Bundesbank.

Dies entspreche einem Wert von umgerechnet 3,74 Milliarden Euro. Nur etwa drei Prozent der damals im Umlauf befindlichen D-Mark-Scheine sind noch nicht in Euro umgetauscht worden. Der Wert ist mit umgerechnet 4,07 Milliarden Euro aber höher als beim Münzgeld.

Durchschnitt 500 Euro

Die Bundesbank-Filialen in den deutschen Landeshauptstädten registrieren gerade‑ vor Weihnachten verstärkte Umtauschaktionen. Durchschnittlich 500 Euro werden pro Person umgetauscht, so ein Sprecher der Hamburger Filiale.

Die Beträge belaufen sich auf insgesamt 75.000 Euro pro Tag. Allerdings könne nicht festgestellt werden, ob es sich bei den Kunden mit D-Mark um Einzelpersonen oder Geschäftsinhaber handle.

Die Verkäuferin des Reisebüros am Potsdamer Platz gibt unumwunden zu, dass es sich bei der D-Mark-Aktion um eine lohnenswerte Art der Kundenwerbung handle: "Wir bekommen auf diese Weise Kunden, die sonst nicht in unser Reisebüro kämen. Dafür lohnt sich der Aufwand, dass wir dann die D-Mark bei der Bundesbank umtauschen müssen, schon."

Sie ist auch - wie der übrige Handel in Deutschland - mit dem Geschäft am ersten Adventwochenende sehr zufrieden. Die österreichischen Händler zeigten sich dagegen unzufrieden. (DER STANDARD Printausgabe, 30.11.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
  • Die deutschen Händler sind mit dem ersten Einkaufswochenende vor Weihnachten zufrieden, nicht zuletzt, weil viele Geschäfte noch D-Mark annahmen.
    foto: epa/frank may

    Die deutschen Händler sind mit dem ersten Einkaufswochenende vor Weihnachten zufrieden, nicht zuletzt, weil viele Geschäfte noch D-Mark annahmen.

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