Sozialarbeit für Manager

14. März 2005, 10:14
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Peter Sitte (45) nahm sich als erster öster- reichischer Berater des Themas gesellschaft- licher Verantwortung in Unternehmen an

Das Thema gesellschaftliche Verantwortung wird heute immer stärker zu einem Management-Ansatz. Peter Sitte (45) hat sich jetzt als erster österreichischer Berater auf die Kommunikation gesellschaftlich sensibler Themen spezialisiert.


Er war in den frühen Achtzigerjahren als Sozialarbeiter tätig, beleuchtete als Journalist Themen über die sozial Schwachen in unserem Land, arbeitete im Kabinett von Sozialminister Alfred Dallinger und erfand für den Sender Ö3 einst die Kummernummer. Seit 1995 ist er Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur mit Spezialisierung auf gesellschaftliche Themen.

Neuerdings hat sich Peter Sitte dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) verschrieben, also gesellschaftliche Verantwortung in Unternehmen. Es geht ihm vor allem darum, soziale Themen mit Public Relations zu verschmelzen, und zwar so, dass an der Seriosität des betreuten Unternehmens nicht gekratzt werden könne, denn es sei eine "große Verant- wortung von Unternehmen, in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht auch erfolgreich zu kommunizieren", sagt er zum STANDARD. Nachsatz: "Sozialarbeit ist immer öffentliches Handeln."

Die Idee dazu kam ihm, nachdem er 2003 das "Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen" für Österreich koordiniert und organisiert hatte. Da entstand plötzlich Sensibilität vonseiten heimischer Betriebe für das Thema "soziales Handeln". Peter Sitte versteht sich seither als Vermittler, der langfristige Partnerschaften zwischen Unternehmen und gesellschaftlichen Gruppen ermöglicht. Denn: "Zu Beginn dachte doch jeder, der das Wort CSR hörte, an Charity und nicht an gesellschaftliche Verantwortung." Das wollte Peter Sitte schleunigst ändern. Heute betreut er nicht nur Konzerne in Sachen CSR, sondern auch immer mehr kleine und mittlere Unternehmen. Es gebe so viele Möglichkeiten für Betriebe, durch derartige Initiativen ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Etwa Workshops, Podiumsdiskussionen, Broschüren und Folder, Kunden-Events, Kampagnen, und vieles mehr. Was ihm dabei auffiel: "Die Firmen wissen heute noch immer zu wenig, wofür sie sich eigentlich engagieren könnten."

Besonders begehrt seien derzeit Beratungen zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Work-Life-Balance), Antidiskriminierung (Diversity Management), der Gleichstellung von Frauen und Männern (Gender-Mainstreaming) und der Integration Älterer im Betrieb. In Sachen Antirassismusarbeit würden sich heute noch "viel zu wenige Unternehmen engagieren", bedauert Sitte. Was für ihn die große Herausforderung darstelle? "Mein Team und ich, wir suchen Unternehmen, die uns langfristig im Bereich gesellschaftliche und soziale Verantwortung engagieren wollen."

Sittes eigenes Unternehmen, die Comunit, zeichnet übrigens für die kommenden fünf Jahre für die EU-weite Antidiskriminierungskampagne (Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung) verantwortlich. Ein Vorhaben, dass den Chef sichtlich stolz macht. Welches Projekt er sich denn für die Zukunft wünschen würde? "Es gibt noch zu wenige Unternehmen, die sich für gesellschaftliche Tabuthemen engagieren. Was mir am besten gefallen würde: einen Baukonzern zu finden, der sich für Asylwerber oder Flüchtlinge engagieren möchte, oder einen Automobilkonzern, der dem Thema Diversity besonderes Augenmerk schenken möchte."

Schließlich soll Corporate Social Responsibility nicht als Modetrend in den Firmen gesehen werden, sondern als Management-Ansatz, in den alle Mitarbeiter eingebunden werden können. (DER STANDARD, Printausgabe vom 27./28.11.2004)

Von
Judith Grohmann
  • Peter Sitte (45) hat sich jetzt als erster österreichischer Berater auf die Kommunikation gesellschaftlich sensibler Themen spezialisiert.
    foto: comunit.at/petra spiola

    Peter Sitte (45)
    hat sich jetzt als erster österreichischer Berater auf die Kommunikation gesellschaftlich sensibler Themen spezialisiert.

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