Wiener Kinder- und Jugendtheaterszene übt Kritik

23. März 2006, 13:01
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Keine Förderung für freie Gruppen - Künstler empfinden Gutachten der Wiener Theaterjury als "abstruse Diffamierung" der Szene

Als "weniger zufrieden stellend" hatte die Wiener Theaterjury in ihrem Gutachten zur Theaterreform die Einreichungen für Konzeptförderung aus dem Kinder- und Jugendtheaterbereich bewertet.

Künstler aus der Wiener Szene nahmen auf einer Pressekonferenz im Dschungel Wien Stellung zu dem Vorgehen der Jury, das sie als "abstruse Diffamierung" empfinden. Hauptkritikpunkte waren die als "wirr" wahrgenommene Fördersituation zwischen Projekt- und Konzeptförderung, zu lange Vorlaufzeiten und vor allem ein "pauschales Aburteilen, ohne hin zu schauen", wie es Nika Sommeregger formulierte.

Zwei freie Gruppen aus dem Bereich Theater für Kinder und Jugendliche hat die Theaterjury dem Kulturstadtrat für Vierjahresförderungen empfohlen, das Figurentheater Lilarum und das TanzTheater konnex. Eine Verbesserung der Situation erhofft sie sich durch das neue Theaterhaus für junges Publikum, den Dschungel Wien. Jährlich 200.000 Euro der Subventionssumme, die ursprünglich für Konzeptförderung bestimmt war, sollen anstatt in Vierjahresverträge zu fließen für neue Projekte ausgelobt werden.

Am Podium saßen heute mit Hubertus Zorell, Rainer Warrings von der Tanz-Compagnie Smafu, Pete Belcher und Nika Sommeregger Künstler, denen keine Konzeptförderung zuerkannt wurde. In den Presseunterlagen äußerten sie ihre Befürchtung vor einer "Kahlschlagpolitik" und drastischer Reduktion der Mittel für Kinder- und Jugendtheater.

Nur wenige Konzepte hätten den "qualitativen und ästhetischen Ansprüchen einer Vierjahresförderung" entsprochen, hatte die Jury ihre Empfehlung begründet, die dazu dienen soll, "einer Stagnation entgegenzuwirken und neue Impulse zu fördern." Pauschale Vorurteile gegen die Szene sieht Zorell darin widergespiegelt. Es gäbe sehr wohl eine künstlerische Erfolgsgeschichte, nur werde die eben gerade in Wien von Kulturpolitik und heimischer Presse nicht wahrgenommen: "Die Kulturbürokratie stellt sich tot." Die sieben Mitglieder der Theaterjury seien "platterdings nirgends aufgetaucht", heißt es in den Presseunterlagen. "Wie kann man jemanden beurteilen ohne persönliche Kenntnis seiner Arbeit?" fragte Warrings. Einen direkten Kontakt mit den Mitgliedern der Jury habe es nicht gegeben.

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