
Präsident Lagos kündigt Entschädigungszahlungen für Tausende von Opfern des Pinochet-Regimes an.
Die Kommission dokumentierte die systematische Anwendung von Folterungen (Prügel, Elektroschocks, Abschnüren der Atemluft) an Regimegegnern durch Militär und Polizei. Zwölf Prozent der Fälle betrafen Frauen, die vor allem sexuell missbraucht wurden; 88 Opfer waren Kinder unter zwölf Jahren.
Lagos, Chiles erster sozialistischer Präsident seit 1973, sagte dazu: "Dieser Bericht konfrontiert uns mit einer unentrinnbaren Wahrheit - politische Gefangenschaft und Folter waren eine institutionelle Praxis des Staates, was vollkommen inakzeptabel ist." Und: "Wie kann man solch einen Horror erklären? - Ich weiß es nicht."
Lagos kündigte ein Gesetz an, das laut der Tageszeitung La Tercera allen anerkannten Opfern eine monatliche Entschädigung in der Höhe von eineinhalb Mindestpensionen (112.000 Pesos, das sind 148 Euro) verschaffen soll. Auch Wohnungs- und Krankenbeihilfen für die Opfer sowie die Gründung eines nationalen Instituts für Menschenrechte sind geplant.
Der derzeitige Heereschef, Juan Emilio Cheyre, hatte schon im Vorfeld die Verantwortung des Militärs für Menschenrechtsverletzungen bekannt und verurteilt.
Doch der soeben 89 Jahre alt gewordene Exdiktator Augusto Pinochet, dem noch immer Gerichtsverfahren drohen, schwieg. Sein früherer Sprecher, General Guillermo Garin, behauptete aber gegenüber der britischen BBC: "Die Untersuchung hat nicht erwiesen, dass Menschen wirklich gefoltert worden sind." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2004)
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Was mich interessieren würde: so wie es sich dem Artikel zufolge darstellt, bekommen noch lebende Regime-Opfer eine Entschädigung. Wie aber verhält es sich mit den Angehörigen ums Leben gekommener ("spurlos verschwundener") Personen. Sind diese in Lagos Vorschlag inkludiert?
Eine gewisse "Schwammigkeit" lässt sich vielleicht (vor allem in österreichischen Medien) mit der in der öst. Mainstream-Ökonomie vorherrschenden Heiligenverehrung des August Freiherr von Hayek erklären, welcher bekanntlich ein glühender Befürworter des Pinochet-Regimes war.
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