Entschädigung für Pinochets Folteropfer angekündigt

von Redaktion  |  02. Dezember 2004, 17:25
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    Präsident Lagos kündigt Entschädigungszahlungen für Tausende von Opfern des Pinochet-Regimes an.

Präsident Lagos präsentierte Bericht über den "Horror" der Diktatur

Santiago/Wien - "Nun hat das Schweigen ein Ende", sagte Chiles Präsident Ricardo Lagos am Sonntagabend in einer Fernsehrede, in der er Entschädigungszahlungen für die Folteropfer der Militärdiktatur (1973-1990) ankündigte. Lagos präsentierte den Report einer von Bischof Sergio Valech geleiteten Kommission, die 35.000 Aussagen von Menschen geprüft hatte, die von der Diktatur verfolgt worden waren. 28.000 Aussagen wurden als wahr anerkannt.

Die Kommission dokumentierte die systematische Anwendung von Folterungen (Prügel, Elektroschocks, Abschnüren der Atemluft) an Regimegegnern durch Militär und Polizei. Zwölf Prozent der Fälle betrafen Frauen, die vor allem sexuell missbraucht wurden; 88 Opfer waren Kinder unter zwölf Jahren.

Lagos, Chiles erster sozialistischer Präsident seit 1973, sagte dazu: "Dieser Bericht konfrontiert uns mit einer unentrinnbaren Wahrheit - politische Gefangenschaft und Folter waren eine institutionelle Praxis des Staates, was vollkommen inakzeptabel ist." Und: "Wie kann man solch einen Horror erklären? - Ich weiß es nicht."

Lagos kündigte ein Gesetz an, das laut der Tageszeitung La Tercera allen anerkannten Opfern eine monatliche Entschädigung in der Höhe von eineinhalb Mindestpensionen (112.000 Pesos, das sind 148 Euro) verschaffen soll. Auch Wohnungs- und Krankenbeihilfen für die Opfer sowie die Gründung eines nationalen Instituts für Menschenrechte sind geplant.

Der derzeitige Heereschef, Juan Emilio Cheyre, hatte schon im Vorfeld die Verantwortung des Militärs für Menschenrechtsverletzungen bekannt und verurteilt.

Doch der soeben 89 Jahre alt gewordene Exdiktator Augusto Pinochet, dem noch immer Gerichtsverfahren drohen, schwieg. Sein früherer Sprecher, General Guillermo Garin, behauptete aber gegenüber der britischen BBC: "Die Untersuchung hat nicht erwiesen, dass Menschen wirklich gefoltert worden sind." (DER STANDARD, Printausgabe, 30.11.2004)

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10 Postings
Altero 
30.11.2004 09:10
Spät, aber doch...

Und wieder schauen alle richtung USA, und was kommt von dort: NICHTS! Nicht einmal eine normale Entschuldigung!

aushilfskraft
29.11.2004 17:42

Was mich interessieren würde: so wie es sich dem Artikel zufolge darstellt, bekommen noch lebende Regime-Opfer eine Entschädigung. Wie aber verhält es sich mit den Angehörigen ums Leben gekommener ("spurlos verschwundener") Personen. Sind diese in Lagos Vorschlag inkludiert?

Speedy Gonzales
30.11.2004 16:23
nein

die wurden schon unter der Kommision "Rettig" erfasst und "entschädigt". Wenn Sie mir dieses banale Wort erlauben.

Tomás Borge
29.11.2004 15:10
Bravo presidente!

Aber holen Sie sich doch einen Teil des Geldes bei
folgenden Personen wieder:

- Henry Kissinger
- Augusto Pinochet
- verschiedenen US Unternehmen

Die Liste lässt sich beliebig verlängern.

...es sei...
29.11.2004 14:16
Wer zahlt?

Die Entschädigung wird natürlich vom Staat bezahlt, Pinochet geht das ganze nichts an bzw. er bekommt auch weiterhin seine Politikerpension...

WONDERWOMAN*  
29.11.2004 13:30
na da kann die USA gleich kräftig mitauszahlen

Losservatore Austriacus
29.11.2004 11:42
Nachsatz:

Er hatte das Land mit Militärhilfe der protektionistischen USA regiert und den demokratisch gewählten Präsidenten Allende durch das Militär im Präsidentenpalast gestürzt!

holz esel **www.venezuela-info.net** 
29.11.2004 12:29
stimmt.

die nachsatzerl aus den agenturen sind mehr als schwammig. aber das ist wahrscheinlich im sinn seiner bürgerlichen erzeuger.

auch "viele verschwanden spurlos" ist grotesk.

aushilfskraft
29.11.2004 17:46

Eine gewisse "Schwammigkeit" lässt sich vielleicht (vor allem in österreichischen Medien) mit der in der öst. Mainstream-Ökonomie vorherrschenden Heiligenverehrung des August Freiherr von Hayek erklären, welcher bekanntlich ein glühender Befürworter des Pinochet-Regimes war.

Dorothy Zbornak
29.11.2004 10:15
In Erinnerung an Victor Jara und alle Opfer des Pinochet-Regimes:

ein sehr später gerechter Tag!
Aber: Was ist mit allen, die 1973 Pinochet und seine Todespolitik gerechtfertigt haben: in Amerika, in Eruopa? Hier steht Gerechtigkeit noch aus.

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