Dollarverfall: Schwere See für Schiffsbeteiligungen

6. Dezember 2004, 12:06
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Der billige Dollar dämpft für Europäer zwar die Ölpreise, für Dollaranlagen wird es allerdings zunehmend unangenehm. Vor allem bei Schiffsbeteiligungen ist Vorsicht geboten

Schiffsbeteiligungen können eine feine Sache sein. Relativ hohe laufende Renditen, basierend auf der sehr günstigen deutschen Tonnage-Besteuerung, locken. Und der Verkauf des Schiffes am Ende der Laufzeit macht die Kasse dann richtig voll.

Mit ein bisschen Glück kann man vielleicht sogar eine Fahrt des "eigenen" Schiffs in der Eignerkabine mitmachen. Das Reedergefühl für ein paar Tage genießen. Wenn die See ruhig ist. Ist sie aber nicht immer. Der Verfall des Dollar bedeutet für Schiffsbesitzer aus dem Euroraum "schwere See". Nicht alles, was in den schönen Hochglanzprospekten erzählt wird, sollte ohne Fragen akzeptiert werden.

Risiken werden gerne überlesen

Üblicherweise werden ja neben den Chancen auch die Risiken angeführt - aber gerne überlesen. Doch genau hier lohnt es sich schon, schärfer hinzusehen. Bei den Nebenkosten zum Beispiel. Da zahlen sich Vergleiche mit anderen Fonds aus. Der binnenländische Laie kann viele der angegebenen Daten wie Charter-Raten, Bonität des Charterers oder Angemessenheit des kalkulierten Reparaturaufwands schwer beurteilen. Umso mehr sollte er auf die bisher platzierten Fonds des Emissionshauses achten. Wurden dort die versprochenen Renditen erbracht, die Planzahlen eingehalten?

Speziell zu beachten ist die Währungssituation. Denn am Schiffsmarkt wird üblicherweise in US-Dollar abgerechnet, während der Anleger in Euro rechnet. Da kann dann trotz der viel zitierten Frachtengpässe und der daraus resultierenden hohen Chartererträge unter dem Strich in Euro wesentlich weniger übrig bleiben, als in der schönen Planrechnung mit einem Dollarkurs von 1,20 pro Euro errechnet wurde. Natürlich können Währungssicherungen getroffen werden, aber die gibt es auch nicht zum Nulltarif. Und nicht auf so lange Zeit. Denn in den meisten Fällen sind diese Fonds auf eine Anlagedauer von 15 bis 20 Jahren ausgelegt. Ein renommiertes Emissionshaus rechnet zum Beispiel, dass die kumulierte Auszahlung, die auf Basis eines Dollarkurses zwischen 1,23 und 1,18 pro Euro mit 139,0 Prozent errechnet wurde, bei einem Kurs von 1,36 - und der scheint zurzeit gar nicht unrealistisch - auf 120 Prozent fällt. Bei einem Dollarkurs von 1,50 reduziert sich die jährliche Ausschüttung von neun auf sieben Prozent.

Unterschiedliche Kalkulationen

Zwar noch immer kein Beinbruch, verglichen mit dem derzeitigen Zinslevel, doch für die enthaltenen unternehmerischen Risiken schon etwas niedrig. Denn der Veräußerungspreis des Schiffes, mit dem - je nach Fonds - in dreizehn Jahren oder noch später gerechnet wird, in den Rendite-Berechnungen quasi die Butter aufs Brot, wird in den Prognosen sehr unterschiedlich kalkuliert.

Auch er unterliegt neben dem Schiffs-Marktrisiko immer noch dem Dollar-Risiko. Da mutet es fast grotesk an, wenn ein Fondshaus für sein Containerschiff mit Dollarkursen von 1,23 oder gar 1:1 zum Euro rechnet und auf diese Weise zu höheren Renditen kommt.

Gerade bei solchen Investments ist also genaues Prospektstudium und eventuell Nachfragen unbedingt anzuraten. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2004)

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    Aktuelle Renditekalkulationen bei Schiffsbeteiligungen, denen ein Dollar-Euro-Niveau von 1,20 zugrunde gelegt wird, könnten Investoren auf dem alten Kontinent enttäuschen.

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