BA-CA, Erste Bank: Rivalen mit unterschiedlicher Strategie

16. Dezember 2004, 10:44
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Die einstigen Wiener Stadtsparkassen BA-CA und Erste Bank sind beide im Osten stark, aber auf je andere Art

Wien - Sie sind beide aus Wiener Stadtsparkassen herausgewachsen, haben ungefähr den gleichen Marktwert an der Wiener Börse und eine vergleichbare Stärke im Osten, wo sie gemeinsam mit der Raiffeisen International den Markt beherrschen und einen Großteil ihrer Gewinne erwirtschaften. Doch in ihrer Entwicklung und ihrer heutigen Strategie könnten Bank Austria Creditanstalt und Erste Bank gar nicht unterschiedlicher sein.

Die BA-CA ist durch das frühe Engagement der Creditanstalt schon sehr lange im Osten vertreten und hat dort über die Jahre in zahlreichen Ländern äußerst unterschiedliche Aktivitäten aufgebaut und Beteiligungen erworben und verfolgt überall ein Universalbankprinzip, das vom Retailgeschäft über Investmentbanking bis Leasing alles enthält. Der stärkste Markt der BA-CA ist Polen, wo nach der Übernahme durch die HypoVereinsbank die Beteiligungen beider Banken zusammengeführt wurden. Die Mutter HVB gibt der BA-CA eine stärkere Eigenkapitalbasis, als die Erste Bank es hat.

Erste hat stark aufgeholt

Diese entdeckte erst spät den Osten für sich, hat aber seit dem Jahr 2000 durch mehrere spektakuläre Akquisitionen aufgeholt. Ihr Chef Andreas Treichl verfolgte eine klare Strategie: Er kaufte in den Nachbarstaaten Tschechien, der Slowakei und Ungarn Sparkassen mit einem großen, wenn auch wenig kaufkräftigen Kundenstock, denen er einfache, standardisierte Finanzprodukte anbietet. Treichl beschränkt sich dabei auf seine Stärken und verzichtet lieber auf andere, lukrative Geschäftsfelder, in denen er keinen Vorteil bieten kann. Bei seinen Erwerbungen in der Slowakei und Ungarn hat er beide Male die BA-CA überboten, bleibt aber davon überzeugt, dass sich der Preis voll ausgezahlt hat.

Die zukünftige Expansion beider Banken wird dadurch behindert, dass es im Osten kaum noch etwas zu privatisieren gibt und sie auf internes Wachstum und den Verdrängungswettbewerb angewiesen sind. Ihr letzter großer Hoffnungsmarkt ist Rumänien, wo die beiden staatlichen Banken BCR und CEC bald zur Privatisierung anstehen. Dort dürften auch BA-CA und Erste Bank erneut als Rivalen aufeinander treffen. (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2004)

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