Das Ende der Ära Gerhard Randa

16. Dezember 2004, 10:44
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Mit dem Rückzug Gerhard Randas beendet einer seine Laufbahn, der die Bankenlandschaft Österreichs massiv verändert hat

Wien - Höchstwahrscheinlich hat sich Gerhard Randa seinen Rückzug aus dem Bankgeschäft ein wenig anders vorgestellt. Mit mehr Ruhm und Ehre verziert vielleicht, sicher aber hätte sich der Aufsichtsratspräsident der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Vorstand der HypoVereinsbank (HVB) gerne ein wenig freiwilliger zurückgezogen.

Noch im September, zum 60. Geburtstag, hatte man dem Manager mit ausgeprägtem Faible für überfallsartige Coups allerorten Rosen gestreut. Ob beim offiziellen Fest in der Wiener Hofburg, wo ein enthusiasmierter Wiener Bürgermeister Michael Häupl Randa lobte, oder im Club Porgy & Bess, wo der Jazzfan privat gefeiert wurde. Nur Randas Mann fürs juristisch Grobe, BA-CA-Anwalt Ewald Weniger, schlug auch leise kritische Töne an. In Anspielung auf den BA-CA-Dienstrechtsstreit reimte er: "Das nenn ich Umkehrung der Werte, denn mit der sozialen Härte pflegst du des Hauses Wohlergehen, das können Analysten sehen. Doch auf der Strecke bleibt das Leben von Menschen, die nicht alles geben."

Werte und Härte

Tatsächlich agiert der Wiener, der aus einfachen Verhältnissen stammt, wohl auch vom frühen Tod seiner Mutter geprägt wurde, wie ein Niki Lauda der Bankbranche: Er gibt selbst viel, verlangt aber - mindestens - ebenso viel von seinen Mitarbeitern. Wer nicht spurte, musste gehen. Letztes Beispiel der Ära Randa: Vor fast einem Jahr montierte Randa seinen loyalen Nachfolger an der Spitze der Bank, Karl Samstag, ab, weil der dem Betriebsrat gegenüber nicht hart genug durchgriff.

Doch beinharte Entscheidungen und Alleingänge waren es auch, die Randa zu Österreichs mächtigstem Manager gemacht haben und zu dem Mann, der die Welt der österreichischen Banken völlig umgekrempelt hat.

In die Wiege war das dem Sozialdemokraten ("Ich bin zuerst Banker und dann erst Sozialist") nicht gelegt worden, politische Umbrüche und letztlich ein Machtvakuum haben es ihm aber erleichtert.

In der "Z" des roten Wien kämpfte sich der Betriebswirt Stufe um Stufe die Hierarchie hinauf, bis zum Generalbevollmächtigten. 1986 ging der Motorradfreak in den Vorstand der bürgerlichen Creditanstalt (CA), zwei Jahre später war er ihr Vizechef.

"Bewegen, verändern, gestalten"

Sukzessive nützte Randa von da an alle Chancen zum Umbau der Bankenlandschaft. Nach dem plötzlichen Tod des Länderbank-Chefs übernahm er 1990 das Ruder der krisengeschüttelten Bank (Stichwort: Eumig-Pleite). Ein Jahr später hatte der Mann, der "bewegen, verändern, gestalten will", die Länderbank mit der "Z" fusioniert, die rote Elefantenhochzeit war perfekt.

Wieder zwei Jahre später zog der BA-Chef einen Deal durch, der Tabus sprengte und fast auch die große Koalition. Randa trickste den schlappen, schwarzen Bankensektor und die ÖVP aus, die BA übernahm überfallartig den CA-Bundesanteil. Gegen den Willen von Kanzler Franz Vranitzky, mit Rückendeckung von Finanzminister Viktor Klima. "Der Deal meines Lebens", wie der BA-CA-Chef damals sagte.

Die Zukunft der BA-CA ist ungewiss

Doch es kam dicker. Existenzbedrohende Verluste in Russland ließen Randa nach Partnern Ausschau halten; gefunden hat er sie 2001. Jetzt überschritt Randa alle Grenzen: Er verkaufte die größte Bank Österreichs ans Ausland, an die HVB. Die Folgen lassen sich erst abschätzen. HVB-Aktienabsturz, die Krise in Deutschland und nun die Ablöse "aus Altersgründen" lassen nur eines sicher erscheinen: Die Zukunft der profitablen BA-CA ist ungewiss. Ebenso jene Randas. Denn, so einer seiner Freunde: "Pferdezüchten in Montana will er noch nicht." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2004)

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