Randa unter Randas Rädern

8. Februar 2005, 16:07
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Der mächtige Banker wurde von den Umwälzungen, die er bewirkte, selbst überrollt

Es kommt in den Spitzenetagen großer Konzerne immer wieder vor, dass der Zweite den Aufstand gegen den Ersten wagt und dabei unterliegt. Sein Rücktritt ist dann die einzige logische Konsequenz. Wenn der Zweite aber Gerhard Randa heißt und bis vergangenen Freitag der mächtigste Banker des Landes war, dann ist dieser Vorgang eine Sensation - zumindest für Österreich.

Kein anderer Manager hat in Österreichs Bankenlandschaft in so kurzer Zeit so viel verändert wie Randa. Er hat die Konsolidierung der zersplitterten Finanzindustrie wie kein Zweiter vorangetrieben und dabei die anachronistische Spaltung zwischen Banken und Sparkassen aufgehoben. Er hat mit der Mär von "schwarzen" und "roten" Banken aufgeräumt, indem er seine Bank Austria nicht wie die Hausbank der Wiener SPÖ, sondern wie jedes andere kapitalistische Unternehmen zu führen suchte und dann die bürgerliche Creditanstalt schluckte. Der Coup mag die ÖVP ins Mark getroffen haben, aber es war auch ein Befreiungsschlag für Österreichs verkrustete Wirtschaft, den der damals gedemütigte Wolfgang Schüssel heute konsequent fortsetzt.

Entschlossenheit

Randa hat auch richtig erkannt, dass in einem Europa des freien Kapitalverkehrs die nationale Eigentümerschaft einer Bank keine Rolle mehr zu spielen hat. Die Übernahme der BA-CA durch die deutsche HypoVereinsbank war zwar die Lösung für selbst gemachte Probleme und erwies sich für die Aktionäre als schlechtes Geschäft, aber sie war letztlich der richtige strategische Zug. Randas letzter revolutionärer Akt war der Versuch, das Dienstrecht seiner Bank ins 21. Jahrhundert zu führen - auch gegen den Widerstand der Mitarbeiter.

Mit Entschlossenheit hat Randa die alte österreichische Bankenkultur zerstört und den Anschluss an die internationale Finanzwelt erzwungen. Doch persönlich fand er sich in ihr nie ganz zurecht. Sein Führungsstil und vor allem seine Personalpolitik entsprachen dem Gehabe eines Feudalherrschers, dem Loyalität wichtiger ist als Kompetenz. Er entschied aus dem Bauch heraus und duldete kaum Widerspruch.

Als Zweiter hatte sich Randa noch nie wohl gefühlt. Sein Leiden in den Jahren, in denen er auf die Nachfolge von René Alfons Haiden als Bank-Austria-Chef wartete, war legendär. Im Vorstand der HVB war er weitaus mächtiger, als es der Größe der BA-CA entsprochen hätte - vor allem, nachdem ihn Vorstandschef Dieter Rampl zum Chief Operating Officer ernannte. "Seine" Bank war der einzige echte Gewinnbringer im Konzern, sein Kostensenkungsprogramm verbesserte die maroden Bilanzen der ganzen Gruppe. Doch mit seinem Pochen auf seine Erfolge untergrub er auch die Autorität seines Chefs, an dessen Fähigkeiten er allzu öffentlich zu zweifeln begann. Randas eigenwilliges Selbstbewusstsein und sein fehlender Teamgeist, die ihm in Wien nie geschadet hatten, wurden ihm in München zum Verhängnis.

Machtdenken

Es war weniger ein plötzlich entdeckter Patriotismus als dieses Machtdenken, das Randa die Eigenständigkeit der BA-CA gegen die Zugriffe des Konzerns verteidigen ließ. Das widersprach allerdings der Logik seines Lebenswerks: Man kann seinen Besitz nicht verkaufen und dennoch weiter die Kontrolle behalten. Aus internationaler Sicht ist die BA-CA - auch nach dem Rückkehr der Aktie an die Wiener Börse - ein integraler Teil des Konzerns und keine österreichische Sonderschutzzone. Noch sitzen hauptsächlich Einheimische im Wiener Vorstand, doch es ist gut möglich, dass als Nachfolger von Erich Hampel eines Tages ein Ausländer kommt, um die größte Bank des Landes zu führen.

All das ist heute in den meisten Ländern Europas selbstverständlich - auch in den neuen EU-Ländern, wo heimische Institute den Takt angeben. In Wien hingegen gilt Randa als "Verräter" - was nur zeigt, wie schwer sich viele mit den Veränderungen tun, die er dem Land aufgezwungen hat. Und wie es nun scheint, hat Randa diese selbst nicht ganz begriffen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.11.2004)

Von Eric Frey
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