Physiker sieht starke Indizien für Leben auf dem Mars

6. Dezember 2004, 11:45
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Italienischer ESA-Wissenschafter verweist auf Entdeckung von Formaldehyd - Andere Forscher sind skeptisch

München - Auf dem Mars gibt es nach Ansicht des italienischen Physikers Vittorio Formisano mit hoher Wahrscheinlichkeit Leben. Das schließt der Wissenschafter der europäischen Raumfahrtagentur ESA nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" aus der Entdeckung von Formaldehyd auf dem Roten Planeten. Dieser Stoff, ein Oxidationsprodukt von Methan, gelte Chemikern als Biomarker, der die Existenz von Organismen signalisiere.

Im Frühjahr hatte die ESA-Sonde "Mars Express" in der Mars-Atmosphäre das Gas Methan entdeckt. Dann fanden die Forscher Spuren von Wasserdampf. Die jeweils höchsten Konzentrationen beider Gase traten dem Bericht zufolge in drei Regionen nahe des Äquators unseres Nachbarplaneten auf. Eigentlich aber dürfte es auf dem Mars keine dieser Substanzen geben. Da ihm eine schützende Ozonschicht fehle, würden ihre Moleküle von der UV-Strahlung der Sonne zerstört.

Unbekannte Formaldehyd-Quelle

Methan habe in der Marsatmosphäre eine Überlebenszeit von etwa 350 Jahren, Formaldehyd werde sogar in nur 7,5 Stunden zerstört. "Eine unbekannte Quelle muss also fortwährend Methan nachliefern, das dann in Formaldehyd umgesetzt wird", zitierte das Magazin Formisano. Die beobachteten Mengen könnten kaum aus chemischen Reaktionen hervorgehen. Als einzige Erklärung bleibe die Existenz Methan-erzeugender Mikroben.

Nicht alle Planetenforscher sind laut "Focus" aber von Formisanos Theorie überzeugt: "Methan kann auch durch vulkanische Prozesse freigesetzt werden", sagte Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin. Auch Formaldehyd könne durch anorganische Prozesse entstehen, etwa beim Beschuss eines Gemischs aus Gasen und Eis durch kosmische Strahlung. Formisano schränkt dem Magazin zufolge ebenfalls ein: "Meine Entdeckung ist deshalb nur ein starkes Indiz, aber kein Beweis für die Existenz von Leben. Den liefern erst echte Bilder von Methanbakterien." (APA/AP)

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    Doch Leben auf der Marsoberfläche? Zumindest der italienische Wissenschafter Vittoria Formisano ist davon überzeugt.

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