Amerikanische Zustände

4. Dezember 2004, 00:35
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Die Europäische Union folgt dem US-Beispiel und macht gegen Raucher mobil

Schier unglaubliche Schlagzeilen sind in den vergangenen zwei Jahren immer wieder über den Atlantik geschwappt: Die Nachricht etwa, dass in der Stadt aller Städte in New York selbst nicht mehr nur das Qualmen in Bars und Restaurants verboten ist, sondern auch der bloße Besitz von (sogar leeren, unbenützten) Aschenbechern ganz nach "Law-and-Order-Manier" mit bis zu 2000 Dollar bestraft wird. Dieser Umstand hat manchen europäischen Raucher in Sicherheit gewogen, sich noch auf "der richtigen Seite" des Atlantiks zu befinden.

Europaweites Werbeverbot

Ganz so ist es nun nicht mehr, denn auch die Europäische Union macht nun verstärkt mobil gegen Raucher - mit Rauchverboten in öffentlichen Räumen, europaweitem Werbeverbot für Tabakwaren oder Kürzung für Agrarsubventionen für den Tabakanbau.

Mitte November hat sich auch Österreich solchen "amerikanischen Zuständen" (was das Rauchen betrifft) ein wenig angenähert und wie zahlreiche andere europäische Staaten schärfere Rauchverbote beschlossen. Ab 1. Jänner 2005 ist das Rauchen an "geschlossenen öffentlichen Orten" per Gesetz verboten. Bestraft wird allerdings nicht der, der das Rauchverbot missachtet, sondern der, der das Rauchverbot nicht ausgeschildert hat (ab 1. Jänner 2007 drohen hier Strafen bis zu 720 Euro).

Umsatzeinbußen der New Yorker Gastronomie

Weil aber zum Beispiel die scharfen Rauchrestriktionen der New Yorker Gastronomie Umsatzeinbußen von rund 30 Prozent beschert haben, wurden in Österreich gleich ein paar Ausnahmen mitbeschlossen. Ausgenommen von der neuen Regelung ist die Gastronomie (die durch eine freiwillige Vereinbarung bis 2006 mindestens in 90 Prozent aller Speiselokale mit 75 Quadratmeter Fläche 40 Prozent Nichtraucherplätze anbieten soll), Trafiken, Privatzimmervermietungen, Tankstellen, Buschenschanken, Schutzhütten und Rauchzonen in Dienstleistungsbetrieben. In Erfüllung von EU-Richtlinien wird auch das Werbeverbot für Zigaretten ausgeweitet. Es gilt für Printmedien bereits ab 1. August 2005, für Kino und Plakate ab 1. Jänner 2007.

Unzählige Antiraucherbestimmungen in Europa

Das Jahr 2004, das scheint nicht nur so, ist das Jahr der europäischen Rauchverbote. Das beweisen unzählige Antiraucherbestimmungen, die in diesem Jahr in Kraft getreten sind oder beschlossen wurden. Bereits Ende März führte die irische Regierung die bisher schärfste Regelung in der EU ein - ein totales Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen, in Pubs und Restaurants und auch am Arbeitsplatz -, die von 400 Kontrolleuren überwacht wird. Es drohen Strafen bis zu 3000 Euro.

Das Einzige, was wir hier räuchern, ist Lachs

Dass Norwegen mit 1. Juni dem irischen Beispiel gefolgt ist, bewiesen landesweite Plakate ("Das Einzige, was wir hier räuchern, ist Lachs"), die das Königreich auf das generelle Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen vorbereiten sollte. Geraucht werden darf zu Hause oder im Freien. In den Niederlanden ist das Rauchen in Bahnhöfen und Restaurants seit Jahresbeginn verboten, auch Schweden hat Mitte Mai ein Rauchverbot für Gastronomiebetriebe beschlossen, das mit Mai 2005 in Kraft treten soll. Und auch die britische Regierung plant für 2006 ein Rauchverbot für öffentliche Einrichtungen, feilt aber noch am Entwurf. Und auch Portugal und Deutschland wollen, ganz nach EU-Programmatik, dem Tabak den Kampf ansagen.

In Frankreich kostet eine Packung Zigaretten fünf Euro

Dass im Lande von Gauloises und Gitanes bereits seit 1991 ein Rauchverbot auf öffentliche Plätze herrscht, weiß deswegen kaum jemand, weil sich die Franzosen strikt nicht daran halten. Dicke Luft herrscht jetzt, weil seit Kurzem Polizisten patrouillieren, um Rauchsünder zu ermahnen. Die effizientere Raucherabschreckung allerdings scheint die Tatsache zu sein, dass in Frankreich eine Packung Zigaretten fünf Euro kostet. Das toppen nur die USA mit sieben Euro pro Packerl. (mia, DER STANDARD Printausgabe 27/28.11.2004)

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