Gewerkschaft berät "ultimative" Maßnahmen

16. Dezember 2004, 14:09
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"Bis zur Blockade der Stadteinfahrten" - Postbus-Gewerkschaft will sich mit allen Mitteln gegen Teilverkauf wehren

Wien - "Schulweg. Oder ganz weg." Mit Slogans wie diesen will die Postgewerkschaft gegen den geplanten Teilverkauf des Bahnpostbusses aufmerksam machen. "Machen wir uns nichts vor", sagt Postbus-Zentralbetriebsrat Robert Wurm, "es geht nicht um die nicht Gewinn bringenden Linien, die die Privaten haben wollen. Es geht darum, dass die Republik ihr Eigentum verschenkt."

Abfinden will man sich mit dem bereits angelaufenen Verkaufsprozess nicht, denn dieser sei weder zum Vorteil des Postbusses, noch zu jenem der ÖBB oder des Steuerzahlers. Von 14. bis 16. Dezember wollen die 180 ÖBB-Postbus-Beschäftigten über ultimative Protestmaßnahmen gegen den Verkauf von 31 Linienpaketen beraten. Danach könne es "alles geben, von Protestfahrten auf der Ringstraße bis zur Blockade der Wiener Stadteinfahrten", erfuhr DER STANDARD aus Gewerkschaftskreisen.

Ergebnisverschlechterung

Der Verkauf von rund einem Drittel bleibt laut der von Infrastrukturminister Hubert Gorbach mit der Prüfung des Deals betrauten BDO Auxilia tatsächlich nicht ohne Auswirkungen: Er wird die für 2005 bis 2008 prognostizierten Synergieeffekte und damit den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um jährlich 2,6 Mio. Euro mindern. Vorausgesetzt, die privaten Käufer übernehmen sämtliche 370 bei den Linienpaketen beschäftigten Dienstnehmer.

Ist dies nicht der Fall, müssen die Postfüchse mit einer zusätzlichen Ergebnisverschlechterung von jährlich 15,7 Mio. Euro rechnen, binnen vier Jahren also 62,8 Mio. Euro. Mit diesen gegenzurechnen ist laut Postbus-Management allerdings ein erwarteter Verkaufserlös von mindestens 40 Mio. Euro, was unter'm Strich eine Belastung von 11,35 Mio. Euro ergebe.

Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz - er war seinerzeit von 52,7 Mio. Euro Schaden ausgegangen - ficht das nicht an: Da die Käufer im besten Fall die Lenker, aber nicht die 29 Prozent Overhead übernehmen würden, entstehe dem ÖBB-Postbus in jedem Fall ein Schaden. Dagegen werde man kämpfen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.11.2004)

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