Der Kampf der Clans

13. Dezember 2004, 21:05
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Die Clans von Kutschma und Janukowitsch kämpfen hinter den Kulissen um Macht

Kiew/Moskau - Hinter dem politischen Wahlkrimi findet in der Ukraine ein verschärfter Kampf mehrerer Clans um Machterhalt statt. Der scheidende Präsident Leonid Kutschma hält auch ökonomisch die Hand über einen beträchtlichen Teil der Ukraine. Hinter Kutschma stehen etwas weniger sichtbar seine ökonomischen "Manager", allen voran Schwiegersohn Viktor Pintschuk, der sich über die Heirat mit Kutschmas Tochter zum angeblich zweitreichsten Mann der Ukraine aufgeschwungen hat. Sein Stahlrohrunternehmen Interpipe gehört zu den größten seiner Art in Europa.

Großen Einfluss in Kutschmas Clan haben neben Pintschuk der Leiter der Präsidialadministration, Viktor Medwedschuk, oder etwa der Chef des Fußballklubs Dynamo-Kiew, Grigori Surkis, alle groß auch im Mediengeschäft. Surkis machte sein Geld unter anderem mit dem Export von Öl und Holz.

"Donezker Clan"

Demgegenüber steht der "Donezker Clan", als dessen politische Galionsfigur Viktor Janukowitsch gilt. Mit den Kohle- und Metallressourcen hat sich diese Gruppe Schätzungen zufolge zur mächtigsten Wirtschaftsgruppe im Land aufgeschwungen. Ihr Oberhaupt ist Rinat Achmetow, dessen Wirtschaftsimperium Gruben, Metallwerke, Banken und Hotels umfasst. Daneben sponsert er den Fußballklub Schachtjor-Donezk.

Das Verhältnis Kutschmas zu Oppostionsführer Viktor Juschtschenko ist kein eindeutiges. Faktum ist, dass Kutschma nach seinem Ausscheiden aus der Politik Schutz vor Strafverfolgung sucht. Gleichzeitig will sein Clan mit den besten politischen Voraussetzungen in die Nach-Kutschma-Ära starten. Im Fall eines Präsidenten Janukowitsch kann ein totaler Machtgewinn der Donezker Gruppe nicht im Interesse der Kutschma-Umgebung sein. Zugleich wäre eine außenpolitische Isolation der Ukraine unter Janukowitsch durch die USA und die EU für die Clans höchst unwillkommen. Sie haben alle, einschließlich Kutschmas, Konten in Europa und den USA.

Dass die zwei Clans sich durchaus auch überschneiden, hat einer der jüngsten und größten Privatisierungsdeals gezeigt. Zum Kauf des Megastahlwerkes Kriwojrischstal - wie auch bei andere Privatisierungen weit unter Marktwert - hatten Pintschuk und Achmetow ein Konsortium gebildet. (sed, DER STANDARD, Printausgabe 27./28.11.2004)

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