Poutiainen schlägt Pärson und Kostelic

17. Dezember 2004, 10:48
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Finnin gewann Riesen­torlauf in Aspen - Schild mit Bestzeit im zweiten Lauf Vierte - Götschl und Görgl unter den Top Ten

Aspen/Colorado - Die Finnin Tanja Poutiainen hat das vor etwas mehr als einem Monat beim Weltcup-Auftakt Versäumte am Freitag nachgeholt: Die 24-Jährige aus Rovaniemi gewann den Weltcup-Riesentorlauf in Aspen vor Sölden-Siegerin Anja Pärson aus Schweden (+0,09) sowie Olympiasiegerin Janica Kostelic aus Kroatien (0,15), die nach dem ersten Durchgang noch mit sechs Zehntel Vorsprung auf Poutiainen geführt hatte.

Als beste Österreicherin landete die Salzburgerin Marlies Schild (+0,96) auf Rang vier, die bei Halbzeit nur Zwölfte gewesen war. "Das ist ein Wahnsinn, ich habe zwar gewusst, dass ich gut drauf bin, aber dass mir so ein Lauf gelingt, damit habe ich nicht gerechnet", sagte sie nach Bestzeit im Finale. Mit den Steirerinnen Renate Götschl als Achter (+2,15) und Elisabeth Görgl als Zehnter (+2,44) landeten noch zwei weitere ÖSV-Damen in den Top Ten.

Zweiter WC-Sieg für die Finnin

Für Poutiainen, die gegen Pärson am 23. Oktober auf dem Rettenbachferner um 0,33 Sekunden das Nachsehen gehabt hatte, war es der zweite Weltcupsieg, der erste in dieser Disziplin. Bisher hatte sie nur am 28. Februar dieses Jahres in ihrer Heimat in Levi den Slalom gewonnen. Mit diesem Premierenerfolg beendete sie auch die Siegesserie von Weltcup-Titelverteidigerin Pärson, die zuvor fünf Riesentorläufe in Serie erfolgreich beendet hatte, in Colorado aber nach einer Nasen-Nebenhöhlen-Entzündung und Antibiotika-Kur noch sichtlich geschwächt war. In der Gesamtwertung liegen die beiden Skandinavierinnen nun ex aequo mit 180 Punkten in Front.

Nach exakt 629 Tagen wieder auf dem Podest: Kostelic

Kostelic schaffte nach exakt 629 Tagen - am 8. März 2003 hatte sie einen Torlauf-Triumph in Aare gefeiert - wieder die Rückkehr auf das Weltcup-Podest. Denn am 16. März 2003 hatte sie ja bekanntlich beim Weltcup-Finale in Hafjell mit dem Riesentorlauf (Rang 20) für lange Zeit ihr letztes Rennen bestritten. Denn danach folgten bis zum Comeback-Rennen am 23. Oktober 2004 in Sölden, wo sie Achte wurde, insgesamt sechs operative Eingriffe - einer an der Schilddrüse sowie fünf in den Knien. Damit war in der Saison 2003/04 für die dreifache Olympiasiegerin kein Weltcup-Start möglich gewesen.

Doch bereits im zweiten Rennen nach ihrem Comeback präsentierte sich die dreifache Olympiasiegerin von Salt Lake City im ersten Lauf bereits wieder von ihrer besten Seite. Die 22-Jährige kam mit den extremen Verhältnissen - Wind und Schneefall - auf der schwierigen und mit Steinen übersäten Piste bei weitem am besten zurecht.

Hosp im Blindflug zur Enttäuschung

Für Nicole Hosp endete dagegen der Blindflug über den Eishang mit einer herben Enttäuschung. Nach sehr guter Zwischenzeit (nur 6/100 zurück) übersah die Tirolerin gleich zwei Mal Wellen auf der Piste, verzeichnete einen Steher und verpasste als 38. mit 4,62 Sekunden Rückstand auf Kostelic die Qualifikation für das Finale der besten 30. "Dabei habe ich mich gut gefühlt", meinte die Bichlbacherin. "Aber wenn ich Fehler mache, dann meist gravierende. Ein Nullergebnis, da hilft die gute Zwischenzeit auch nicht."

Kostelic hatte ebenfalls geglaubt, dass ihr erster Lauf zum Vergessen sei. "Ich habe mich eher schlecht gefühlt, deshalb war ich von meiner Zeit echt schockiert", erklärte die zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin. Der Grund für ihre Müdigkeit ist ihr aber bekannt: "Ich weiß aus dem Training, dass ich wegen der Schilddrüse schnell müde werde, deshalb habe ich versucht, einen Vorsprung herauszufahren." Dies gelang ihr im ersten Durchgang perfekt, den Rückfall auf Platz drei im Finale nahm sie nicht tragisch, auch wenn ihr nur 15/100 auf den Triumph fehlten: "Ich bin ja schon überglücklich, wieder Teil des Skiweltcups zu sein!"

Renate Götschl sah sich bestätigt, hatte sie doch schon vor dem ersten Rennen in Aspen betont, dass die zweifache Weltcup-Gesamtsiegerin bereits wieder ganz die Alte sei. "Was habe ich gesagt, die ist schon wieder 'mega' drauf", meinte die Steirerin. Und Alexandra Meissnitzer, die Zwölfte wurde, staunte und zweifelte zugleich: "Sensationell! Irgendwas macht sie richtiger als wir."

Stein bremst Schild

Marlies Schild war ebenfalls im Vorfeld des ersten Überseerennens hoch gehandelt worden und bestätigte bis zur Zwischenzeit im ersten Lauf (+0,35) die Vorschusslorbeeren. Doch dann verlor sie noch fast zwei Sekunden und vergab damit ihre Chancen aufs Stockerl bzw. auf den Sieg. "Da habe ich einen Stein erwischt und konnte bis ins Ziel keinen Druck mehr geben, konnte keinen Schwung mehr ziehen, habe mich nur noch runtergekämpft." ÖSV-Alpinchef Hans Pum ergänzte: "Es hat ihr den kompletten Belag vom Ski runtergerissen!" Trotzdem katapultierte sich die Salzburgerin mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang noch auf Platz vier.

Görgl war dagegen stinksauer, nicht nur wegen des Rückfalls von Platz fünf auf zehn in der Entscheidung. "Der erste Lauf war eine Katastrophe, erst als mir unten alles 'wurscht' war, ist es besser gelaufen", meinte die 23-Jährige.

Sensationell schlug sich Kathrin Zettel, die nach den zwei wilden Ritten über den "Lower Ruthies Run" zwar fix und fertig, aber auch glücklich war. Die Niederösterreicherin, die heuer Slalom-Juniorenweltmeisterin geworden war, holte bereits in ihrem dritten Weltcup-Rennen als 15. unmittelbar hinter Eveline Rohregger ihre ersten Punkte. "Ein Wahnsinn, die Höhe, die unruhige Piste, du bist schon bei der Hälfte total blau und kämpfst den Rest des Rennens nur noch gegen den Ausfall. Ich bin selten sowas Extremes gefahren", betonte die 18-jährige gelernte Köchin aus Göstling/Ybbs. (APA)

Damen-RTL in Aspen:

Endergebnis

1. Lauf: 1. Janica Kostelic (CRO) 1:05,92 Minuten 2. Tanja Poutiainen (FIN) 1:06,52 +0,60 Sek. zurück 3. Anja Pärson (SWE) 1:06,84 +0,92 4. Maria-J. Rienda-Contreras (ESP) 1:07,35 +1,43 5. Elisabeth Görgl (AUT) 1:07,50 +1,58 6. Allison Forsyth (CAN) 1:07,52 +1,60 7. Renate Götschl (AUT) 1:07,76 +1,84 . Martina Ertl (GER) 1:07,76 +1,84 9. Karen Putzer (ITA) 1:07,79 +1,87 10. Anna Ottosson (SWE) 1:07,87 +1,95 11. Alexandra Meissnitzer (AUT) 1:07,93 +2,01 12. Marlies Schild (AUT) 1:08,18 +2,26 13. Nadia Styger (SUI) 1:08,22 +2,30 14. Marlies Oester (SUI) 1:08,28 +2,36 15. Tina Maze (SLO) 1:08,38 +2,46 weiter: 17. Eveline Rohregger (AUT) 1:08,72 +2,80 18. Michaela Dorfmeister (AUT) 1:08,73 +2,81 19. Kathrin Zettel (AUT) 1:08,85 +2,93 30. Silvia Berger (AUT) 1:09,77 +3,85
u.a. nicht für den zweiten Durchgang qualifiziert: 38. Nicole Hosp (AUT) 1:10,54 +4,62 52. Michaela Kirchgasser (AUT) 1:12,08 +6,16
Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: Andrine Flemmen (NOR), Sarah Schleper (USA)

2. Lauf: 1. Marlies Schild (AUT) 1:05,27 Min. 2. Anja Pärson (SWE) 1:05,74 +0,47 Sek. zurück 3. Gail Kelly (CAN) 1:05,94 +0,67 4. Genevieve Simard (CAN) 1:05,95 +0,68 5. Tanja Poutiainen (FIN) 1:05,97 +0,70 6. Nadia Styger (SUI) 1:06,22 +0,95 7. Silvia Berger (AUT) 1:06,24 +0,97 8. Marlies Oester (SUI) 1:06,30 +1,03 9. Kathrin Zettel (AUT) 1:06,36 +1,09 10. Sonja Nef (SUI) 1:06,41 +1,14 11. Eveline Rohregger (AUT) 1:06,44 +1,17 12. Ingrid Jacquemod (FRA) 1:06,45 +1,18 13. Martina Ertl (GER) 1:06,46 +1,19 14. Kristina Koznick (USA) 1:06,63 +1,36 weiter: 16. Janica Kostelic (CRO) 1:06,72 +1,45 19. Renate Götschl (AUT) 1:06,88 +1,61 20. Michaela Dorfmeister (AUT) 1:06,93 +1,66 24. Alexandra Meissnitzer (AUT) 1:07,14 +1,87 25. Elisabeth Görgl (AUT) 1:07,43 +2,16
Ausgeschieden im 2. Durchgang: Lucia Recchia (ITA), Maria-J. Rienda-Contreras (ESP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tanja Poutiainen feiert ihren ersten Weltcup-Sieg.

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