Startschuss zu Advent brutal

7. Februar 2005, 17:48
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Jetzt gibt es endgültig kein Halten mehr, der Weihnachtswahnsinn nimmt seinen Lauf, und die Fellner-Medien haben sich ...

Jetzt gibt es endgültig kein Halten mehr, der Weihnachtswahnsinn nimmt seinen Lauf, und die Fellner-Medien haben sich an die Spitze gesetzt. Rückte "NEWS" vorige Woche mit dem NEWS-Guide für die feinste Zeit des Kochens noch dezent Besinnlichkeit raus, fuhr man diese Woche schärfere Geschütze auf. "tv-media" warf einen 1. Blick auf Weihnachten, gleich 3 Mal gestützt auf ein Foto, das das Supermodel Flavia Vento, das Kinn in die Hand geschmiegt, weiße Flügel geschultert, auf dem Cover, auf Seite 36 und im Inhaltsverzeichnis zeigte - nur hier samt sanft gerundetem Hinterteil.

Die Auswahl des Models aus weihnachtlichem Anlass lag nahe, denn: TV-MEDIA-Coverengel Flavia Vento ist in ihrer Heimat Italien ein Model-Superstar mit großen Film-Ambitionen. Das sexy Italo-Model Flavia Vento wurde bereits mit 15 entdeckt und spazierte schon bald in Mailand u. a. für die Edel-Labels Fendi und Jean Louis David über den Laufsteg. Mit 20 ergatterte sie ihre erste Rolle im Italo-TV: als Glücksfee in der TV-Show "Il Lotto alle otto". Heute ist Flavia 27, hat in ihrer Heimat einen Kinofilm bereits abgedreht - und stellt höchste Ansprüche an den nächsten.

Daran tat der TV-MEDIA-Weihnachtsengel auch gut, denn seine Rolle in "tv-media" war eher anspruchslos. In TV-MEDIA präsentiert Sie die Highlights des Weihnachts-TVs 2005. (War dann aber doch nur 2004.) Was nur bedeutete, dass sie neben der Programmvorschau noch einmal aus der Seite schaut, ohne präsentables Hinterteil. Aber sie kann es in den Fellner-Medien sicher nicht weniger weit bringen wie Pamela Anderson.

Der Chefredakteur lobte das Weihnachtsprogramm des ORF als ein Fest für die ganze Familie über den grünen Tannenzweig, und Kolumnist Helmut Zilk feierte "Licht ins Dunkel" - und die Österreicher im besten "Krone"-Stil als Weltmeister der Menschlichkeit: Wir müssen oft mit dem Widerspruch des Auslandes und der Schelte der Besserwisser leben. Aber gemessen an der Einwohnerzahl und den erreichten Spendensummen, sind wir Europa-und Weltmeister in dieser Kategorie der (Mit-) Menschlichkeit.

Sein einziger Kritikpunkt trifft den Finanzminister. Denn abgesehen von Finnland, haben wir Österreicher die einzigen Steuergesetze, die Spenden als nicht absetzbar diskriminieren. Dabei ist es doch der Sinn von Weihnachten, dass man auch etwas davon hat, wenn man schon Europa-und Weltmeister in dieser Kategorie der (Mit-)Menschlichkeit ist.

Advent brutal setzte einen Tag später mit "NEWS" ein. Das große Advent-Heft bot auf dem Titelblatt das dreifache Girlwunder des Pop dar, das sich in drei weiß gekleideten Damen manifestierte, weiße Flügel geschultert - man muss sich ja gelegentlich was Neues einfallen lassen. Mit diesem Heft wollen wir Sie, liebe Leser, in vorweihnachtliche Stimmung versetzen, drohte das Editorial und log dreist: Unser Heft zum ersten Advent steht ganz im Zeichen des wohl schönsten Festes im Jahr und soll Ihnen ein Paket der Vorfreude übermitteln.

Dafür reichten nicht einmal die alten Damen-Hüte aus alten Pirelli-Kalendern, schon gar nicht der nach einem Kopftuchverbot gierende blaue Bier-Mops oder der Halbzeitjubel der Regierung. Nicht gerade ein Paket, aber vielleicht einen Schimmer der Vorfreude ließ Gusenbauers Advent-Gruß - "Die ÖVP ist verbraucht" - aufkommen. Ganz im Zeichen des wohl schönsten Festes im Jahr stand lediglich eine Advent-Story, die mit dem Girlwunder des Pop so wenig zu tun hatte wie die CD, deren Beifügung dem Hause Fellner alljährlich Kummer statt Vorfreude spendet.

Wie schon im Vorjahr zwingt uns ein - treue NEWS-Leser wissen, was jetzt kommt - anachronistisches Gesetz zur Unterbindung des freien Wettbewerbs, einen Aufpreis von 60 Cent zu verlangen. Unsere Abonnenten, die ja den normalen Preis zahlen, müssen wir deshalb bitten, die CD nachzubestellen. Sie enthält die schönsten Songs für Ihre stimmungsvolle Weihnacht, und gibt Ihnen die Möglichkeit, am 24. Dezember die Weltmeisterschaft der (Mit-)Menschlichkeit mit Hits wie "Es wird scho glei dumpa" akustisch zu untermalen. Dass ein anachronistisches Gesetz zur Unterbindung des freien Wettbewerbs die Weihnachtsfreude der "NEWS"-Abonnenten womöglich erst nach Überspringen einer 60-Cent-Hürde aufkommen lässt, bleibt ein Skandal.

Ein Trost mag ihnen sein: Der Ausgabe liegt ein Extraheft bei, in dem Sie 500 Tipps und Anregungen für Weihnachtsgeschenke, Christbaumschmuck und Festdekoration finden. Dass es exakt 500 sein müssen, ist bei "NEWS" ganz normal, man hätte sich aber schon ein Ranking mit den Auf- und Absteigern im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Vielleicht war das nicht möglich, weil es sich um die 500 besten Geschenke handelt, also um die Top-Präsente 2004, darunter so ausgefallene Ideen wie Handys oder Hanteln. Die ausgeflipptesten Geschenke dienen auch noch einem guten Zweck: Bücher sollen österreichischer Leseschwäche entgegenwirken. Licht ins Dunkel eben. (DER STANDARD; Printausgabe, 17./28.11.2004)

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