Ostukraine: Erste Schritte zur Autonomie

28. November 2004, 19:16
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Odessa droht mit Abspaltung bei Sieg der Opposition - Ostukrainisches Gebiet Charkow hat Einstellung von Zahlungen an Zentralhaushalt beschlossen

Kiew - Als Protest gegen den Machtanspruch der westukrainisch dominierten Opposition unternahmen die Gebiete Donezk, Lugansk und Charkow im Osten sowie Odessa im Süden des Landes erste Schritte zur Ausrufung einer Autonomie. Außerdem drohten die Industriegebiete, die für Janukowitsch eintreten, mit einem Handelsboykott gegen die ärmere Westukraine.

Mehrere tausend Demonstranten haben in der ukrainischen Schwarzmeer-Metropole Odessa die Abspaltung der Region von der Ukraine gefordert, sollte der pro-westliche Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko das Präsidentenamt übernehmen. Mehr als 3.000 Regierungsanhänger billigten am Samstag auf dem Rathausplatz der russischsprachigen Stadt eine entsprechende "Resolution". Sie verlangten zudem eine Versammlung von Vertretern der russisch dominierten Regionen der Süd- und Ostukraine, um über die Schaffung eines unabhängigen "Territorium Neues Russland" zu beraten.

Mehrere Bürgermeister und Industriebosse aus dem ostukrainischen Industriegebiet Donezk verabschiedeten unterdessen eine Entschließung, in der sie für die Bewohner der Region "das Recht auf selbstständige Entscheidung über ihr Schicksal" geltend machten. Sie warfen Juschtschenko vor, das Land durch "verfassungswidrige Akte" an den Rand des "Bürgerkriegs" getrieben zu haben.

Das ostukrainische Verwaltungsgebiet Charkow hat am Freitag erste Schritte zur Ausrufung einer Autonomie unternommen. Das Gebietsparlament in der zweitgrößten Stadt des Landes beschloss, die Zahlungen an den Zentralhaushalt einzustellen. Die bisherige der Regierung in Kiew untergeordnete Verwaltung werde durch eine gebietseigene ersetzt. Die Gebietspolizei habe sich angeblich dieser neuen Führung unterstellt, meldete die Agentur Interfax.

Die Abgeordneten beschlossen weiter, Kontakte mit anderen Gebieten wie Donezk, der Halbinsel Krim und Odessa im Süden aufzunehmen, um eine gemeinsame Autonomie einzurichten. Im Osten der Ukraine sind das Industriepotenzial des Landes und zwei Drittel der Bevölkerung konzentriert. Die Region stimmte bei der Präsidentenwahl mit großer Mehrheit für den Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch. (APA)

  • Anhänger von Janukowitsch bei einer Demonstration in Kiew.
    foto: reuters/mikhailo markiv

    Anhänger von Janukowitsch bei einer Demonstration in Kiew.

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