Neuem Jeunet-Film wird die Marke "französisch" aberkannt

2. Dezember 2004, 12:38
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Regisseur von "Die fabelhafte Welt der Amelie" zimmerte "trojanisches Pferd" für Warner

Paris - Der neue Film des Franzosen Jean-Pierre Jeunet, der mit "Die fabelhafte Welt der Amelie" einen Welterfolg feierte, gilt nicht mehr als französisch, obwohl er mit der Französin Audrey Tautou in der Hauptrolle auf Französisch und in Frankreich gedreht wurde. Dies hat ein Pariser Verwaltungsgericht am Donnerstag beschlossen. Eine Folge davon ist, dass der Streifen "Un long dimanche de fiancailles", der seit Ende Oktober in den französischen Kinos läuft, von den Subventionen für europäische Filme ausgeschlossen ist und am Cesar-Wettbewerb nur als ausländischer Streifen teilnehmen kann.

Protest gegen Zelluloid-Pferd

Zwei französische Vereinigungen unabhängiger Filmproduzenten, die "Association des producteurs independants" (API) und das "Syndicat des producteurs independants" (SPI), waren gegen die Anerkennung des Streifens als französische Produktion durch das "Centre national de la cinematographie" (CNC) gerichtlich vorgegangen. Das Gericht gab ihnen Recht.

Der Produzent des Streifens, "2003 Productions" sei bloß ein "trojanisches Pferd" des Major-Studios Warner Bros. Die Amerikaner verwendeten diese Firma, "um französische Finanzhilfen nach Hollywood abzuzweigen", meinte das Gericht. Laut französischen Bestimmungen sind außereuropäische Produktionen von den Subventionen ausgeschlossen.

Wirtschaftlicher Hintergrund

"2003 Productions" ist eine zu 32 Prozent von Warner France kontrollierte Gesellschaft. Weiter sind mehrere Mitarbeiter von Warner France, darunter auch der Geschäftsführer Francis Boesplug, Aktionäre von "2003 Productions". Das CNC gab unterdessen bekannt, dass es "die Konsequenzen des Gerichtsurteils aufmerksam überprüfen" werde. Es besteht die Möglichkeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Auf dem Spiel stehen in dem Fall bedeutende Geldsummen. Wenn "Un long dimanche de fiancailles", der 46 Milionen Euro kostete, mehr als fünf Millionen Kinogänger erreicht, dann hätte die Produktionsfirma laut französischen Bestimmungen auf einen Beitrag in der Höhe von 3,6 Millionen Euro Anrecht, schätzte das französische Kinomagazin "Le film francais". Jeunets vor drei Jahren verwirklichten "Amelie"-Streifen haben sich weltweit 30 Millionen Menschen angesehen.

Die Filmhandlung

"Un long dimanche de fiançailles" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Krimi-Autor Sebastien Japrisot, der auf Deutsch unter dem Titel "Die Mimosen von Hossegor" erschien. Es ist die Geschichte der jungen Mathilde, die ihren in den Wirren des Ersten Weltkrieges als "gefallen" gemeldeten Verlobten sucht. Ein Teil spielt im Paris der 20er Jahre - das unter anderem mit Hilfe digitaler Tricks wieder zum Leben erweckt wurde. (APA)

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