"Austrian Science Talk" in den USA

6. Dezember 2004, 11:41
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Österreichische Wissenschafter/innen sollen sich für den Forschungsstandort Österreich interessieren

New York - Zwei Veranstaltungen in San Francisco und in New York bildeten in den vergangenen Tagen den Startschuss zur Reihe "Austrian Science Talk", mit der Österreich im Ausland um Forscher/innen werben will. Bei den "Science Talks" an der US-West- und Ostküste sollte primär der Kontakt mit in den USA arbeitenden österreichischen Wissenschafter/innen intensiviert und über die Möglichkeiten zu einer Rückkehr nach Österreich sowie die dafür bestehenden Förderungen informiert werden. Weitere derartige Veranstaltungen, organisiert vom Infrastrukturministerium (BMVIT) und den Austrian Research Centers (ARC), sollen folgen - auch in anderen Ländern.

Die Attraktivität des Forschungsstandorts Österreichs hob beim "Science Talk" in den Räumen des Austrian Cultural Forum in New York Ingolf Schädler vom BMVIT hervor: In einigen Gebieten, etwa im Bereich Life Sciences und Materialforschung, sei Österreich im internationalen Spitzenfeld. Dies werde durch stärkere Forschungsförderung, sowohl durch staatliche Mittel als auch durch Ausschöpfung der EU-Forschungsprogramme und Kooperation mit der Wirtschaft, erreicht. Die österreichische Forschungsquote liege 2004 mit 2,27 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt.

Chancen

ARC-Geschäftsführer Erich Gornik verwies auf sich öffnende Chancen: In den nächsten zwei bis vier Jahren würden in seinem Bereich 100 neue Jobs geschaffen, die natürlich auch "exzellenten Wissenschaftern", die derzeit in den USA tätig seien, offen stünden. Das Interesse der österreichischen Industrie an Forscher/innen betonte der Leiter des Produkt- und Technologiemanagements der Telekom Austria, Helmut Leopold. Im Jahr 2003 habe die Telekom 42,8 Mill. Euro für Forschung investiert. Elektrotechnik und Informatik stehen ganz oben auf Leopolds "Wunschliste" für Job-Interessent/innen in den USA.

Auf die vielfältigen Möglichkeiten in der Forschung in Österreich verwies der stellvertretende Vorsitzende des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Günther Bonn. Der Fokus liege dabei auf den Bereichen Computer/Informatik, Nano-Tech, Life Sciences, Mobilität/Transport/Raumfahrt und Umwelt/Energie, doch auch in den Sozialwissenschaften werde die Forschung gefördert. Unbefriedigend sei der mangelnde Kontakt zu Stipendiat/innen: Österreich investiere dafür fast 30 Mio. Euro jährlich. "Wir schicken Leute in die Welt mit unserem Stipendium, aber niemand kümmert sich mehr um sie."

Chancen für hoch qualifizierte Wissenschafter/innen und Forscher/innen zur Rückkehr nach Österreich ergäben sich alleine durch die Altersstruktur an den Universitäten: Von den 1.980 Uni-Professoren gehen bis zum Jahr 2008/09 zwei Drittel in Pension.

"Brainpower Austria"

Konkrete Unterstützung für rückkehrbereite österreichische Wissenschafter/innen möchte das Programm "Brainpower Austria" geben: Projektleiter Gerald Müller-Niklas präsentierte die Online-Job-Börse, die Stellensuchenden und -anbietern gleichermaßen helfen soll. Das vor neun Monaten gestartete "Impuls-Projekt" habe derzeit 200 Jobs für Forscher/innen aus allen Bereichen anzubieten. Wer aus dem Ausland ein Job-Interview erhält, kann bis zu 80 Prozent der Anreise-Kosten refundiert bekommen.

Die Notwendigkeit der Vernetzung betonte Philipp Steger, Wissenschaftsattache an der österreichischen Botschaft in Washington und Leiter des Office of Science & Technology (OST): Das vor drei Jahren von OST initiierte Forschernetzwerk ASCiNA (Austrian Scientists in North America) habe bereits 760 Mitglieder, die sich gegenseitig helfen und den wissenschaftlichen Kontakt mit der Heimat halten. Die OST-Publikation "Bridges" wolle eine Basis für die Forschungs- und Wissenschaftskooperation zwischen Österreich und Nordamerika bieten. "Brain Drain" werde so in "Brain Gain" umgedreht.

Reaktionen: Interesse und Kritik

Mit Interesse, aber auch mit Kritik wurde die Informationsveranstaltung von österreichischen Wissenschafter/innen verfolgt. "Man kann nicht nur Leuten Chancen geben, die schon sehr erfolgreich sind", meinte der aus der Steiermark kommende Mediziner Karl-Martin Hoffmann, der am National Institute of Health arbeitet. Trotz grundsätzlichem Interesse an einer Rückkehr nach Österreich habe er bisher keine Stelle gefunden.

Enttäuschende Erfahrungen hat auch Claudia Leeb, Polit-Philosophin an der New School of Social Research in New York, gemacht: Für ihr Projekt "Geschlecht und Klasse im Austrian Brain Drain", das insbesondere auch den Frauenanteil der Wissenschafter/innen und die Gründe für deren Weg ins Ausland untersuchen will, hat sie bisher keine Förderung auftreiben können. Der Deutsche Patrick Simon, der an der Universität von Massachusetts Wirtschaftsingenieurwissenschaften studiert, bewertete besonders das Netzwerk ASCiNA als hochinteressant. Für deutsche Wissenschafter/innen gebe es seines Wissens nach nichts Vergleichbares. (APA)

Links

ASCiNA
Austrian Scientists and Scholars in North America

OST
Office of Science & Technology

Bridges
ein vierteljährlich erscheinendes Magazin mit Information über Forschung, Wissenschaft und Technologie-
entwicklung in Österreich und Nordamerika

Brainpower Austria
Initiative des Infrastruktur-
ministeriums, u.a. mit Online-Jobbörse, Möglichkeit der finanziellen Unterstützung für Jobsuche aus dem Ausland und Umzugshilfe

EU-Information über Karrierechancen und Fördermöglichkeiten für Forscher/innen in Europa
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