Diskussion um Mahnmal auf Aspang-Gründen

1. Dezember 2004, 09:47
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Historisch betrachtet ist der Ort brisant - Hier fuhren Züge ab, mit denen Juden in die Konzentrationslager transportiert wurden

Wien - Nach Bekanntwerden der Pläne, dass die Stadt Wien auf den Aspang-Gründen ein Holocaust-Mahnmal errichten will, herrscht Skepsis. Leon Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, gibt sich zurückhaltend: "Ich glaube gar nicht, dass das etwas werden wird. Es wird eine Diskussion beginnen wo, wie und wann."

Historisch betrachtet ist der Ort brisant

Ein solches Mahnmal zum Gedenken an jene, die im Holocaust umkamen, war immer in Diskussion. Stadtrat Rudolf Schicker kündigte am Donnerstag in der Presse einen neuen Versuch an. Historisch betrachtet ist der Ort brisant. Vom Aspang-Bahnhof fuhren, ebenso wie etwa vom Nordbahnhof, jene Züge ab, mit denen Juden in die Konzentrationslager im Deutschen Reich transportiert wurden. Das Mahnmal soll die 60.000 Namen von Holocaust-Opfern tragen und könnte den Eingang zum neuen Stadtteil "Eurogate" begründen.

Schüleraustausch statt Mahnmal

Die VP und die Grünen unterstützen den Plan. Letztere wollen auch den Bau eines Shoah-Zentrums. Die Freiheitlichen schlagen dagegen vor, statt eine "Mahnmal-Inflation" zu betreiben, verstärkt den Schüleraustausch zwischen Österreich und Israel zu fördern. So könne man "neue Wege" in der Aufarbeitung der Geschichte gehen.

Leon Zelman wünscht sich "etwas Lebendiges" - statt "toter Steinen" wie es Mahnmale seien. Er freue sich, dass im Palais Epstein nun eine Ausstellung über jüdische Geschichte komme. Zelman kämpfte jahrelang darum, dass ins Palais Epstein ein Haus der Geschichte realisiert wird. Bald ziehen dort aber Parlamentsabgeordnete ein. (aw, DER STANDARD Printausgabe 26.11.2004)

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