Bayer startet nach Umbau neu durch

9. Dezember 2004, 13:10
posten

Die Ausrichtung auf Gesundheit, hochwertige Materialien und Ernährung trägt Früchte - Bayer erwartet im kommenden Jahr weiteres Wachstum

Der Bayer-Konzern will nach zweijähriger Umbauarbeit, die nun in der Abspaltung fast der gesamten Chemie sowie von Teilen des Kunststoffgeschäfts gipfelt, neu durchstarten.

"Wir sind optimistisch, dass der Kapitalmarkt den neuen Bayer-Konzern künftig höher bewerten wird als im bisherigen Verbund mit den strukturell abweichenden Lanxess-Geschäften", sagte Vorstandschef Werner Wenning am Donnerstag bei der Präsentation verbesserter Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal 2004.

Lanxess, eine Zusammensetzung aus dem französischen "lancer" (in Gang setzen) und dem englischen Begriff für Erfolg, "success", machte am Donnerstag am Hauptsitz von Bayer in Leverkusen durch Leuchtreklamen und Flaggen in Schwarz-Weiß-Rot und einem großen X im Namenszug aufmerksam.

Dort hat Bayer die Basis-, Spezial- und Feinchemikalien mit vergleichsweise geringen Renditen gebündelt. Für je zehn Anteilscheine erhalten Bayer-Aktionäre eine Lanxess-Aktie.

Nachzügler bei der Neuausrichtung

Bayer ist eines der letzten Unternehmen der Branche, das eine Neuausrichtung vornimmt. Ähnliches hat Hoechst in den Neunzigerjahren gemacht. Allerdings ging man dort noch einen Schritt weiter und warf gleich das gesamte Chemiegeschäft über Bord.

Das hält Wenning nicht für notwendig. Ihm schwebt vor, aus dem größten, integrierten Chemie- und Pharmakonzern der Welt eine Gruppe zu formen, die von Innovationen getrieben wird, wendig und wachstumsstark ist.

Back to the roots

Die klare Ausrichtung auf die Geschäftsbereiche Gesundheit (Healthcare; dort schlagen sich die Umsätze von Bayers bekanntestem Erzeugnis Aspirin nieder), hochwertige Materialien (Material Science) und Ernährung (Crop Science) trägt Früchte.

Alle drei Teilkonzerne konnten im dritten Quartal 2004 mit deutlichen Ergebnisverbesserungen aufwarten, auch wenn Crop Science saisonal bedingt negativ blieb. Insgesamt verbesserte sich das Bayer-Betriebsergebnis (Ebit) in der Berichtsperiode um 202 Mio. Euro auf 244 Mio. Euro, der Umsatz legte um 3,4 Prozent auf 7,07 Mrd. Euro zu.

Börsengang

Ein weiteres Etappenziel werde mit der Notierung der Lanxess-Aktien im Jänner 2005 an der Börse in Frankfurt erreicht, sagte Wenning. Lanxess wird mit etwa 20.000 der konzernweit 115.000 Mitarbeiter knapp sechs Mrd. Euro umsetzen. Am Standort Leverkusen ist die Verunsicherung groß.

Viele Mitarbeiter (14.800 bei Bayer, 4900 bei Lanxess) fühlen sich im Stich gelassen. Wenning blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. Er hat die Umsatz- und Ergebnisziele für heuer angehoben und erwartet für 2005 ein ebenfalls gutes, wenn auch nicht mehr so dynamisches Jahr. (DER STANDARD Printausgabe, 26.11.2004)

Günther Strobl aus Leverkusen
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Bayer-Werk in Leverkusen: überraschend gute Neunmonatszahlen, mit neuer Struktur optimistischer Blick in die Zukunft.

Share if you care.