Deutschland: Ölpreis und Euro sorgen für Stimmungsknick

6. Dezember 2004, 18:41
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Ifo-Geschäftsklimaindex bricht im November überraschend ein

München - Ein kräftiger Konjunkturaufschwung rückt in immer weitere Ferne: Die Höhenflüge von Ölpreis und Euro verpassten der Stimmung in der deutschen Wirtschaft im November einen überraschend starken Dämpfer.

Der ifo-Geschäftsklimaindex brach von 95,3 auf 94,1 Punkte ein, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Donnerstag berichtete. Bis zum Jahresende und Anfang 2005 werde die Erholung noch langsamer vorankommen als bisher, sagte ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.

Die Stimmung war im November so schlecht wie zuletzt im Juni. Der viel beachtete Frühindikator für die Konjunkturentwicklung ging stärker zurück als erwartet und sackte unter den langjährigen Durchschnitt von 95,0 Punkten. "Die Delle im Aufschwung scheint sich nicht so schnell wieder zu heben", sagte Abberger.

Unternehmer pessimistisch

Erstmals seit Juni beurteilten die rund 7.000 befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage schlechter. Der Teilindex gab von 94,7 auf 93,8 Punkte nach. Für das kommende halbe Jahr rechneten die Betriebe ebenfalls mit schlechteren Geschäften. Der Teilindex der Erwartungen fiel von 95,9 auf 94,3 Punkte. Während der ifo-Index in Westdeutschland sank, hellte sich das Klima im Osten allerdings etwas auf.

Laut ifo-Institut verschlechterte sich die Stimmung sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Groß- und Einzelhandel. "Die Binnennachfrage ist nach wie vor schwach", sagte Konjunkturexperte Abberger. Der Handel erwartete auch für die nächsten sechs Monate wenig Kauflust bei den Konsumenten.

Export boomt weiter

Die Industrie profitierte weiterhin sehr stark vom Export und rechnete trotz der Euro-Stärke weiterhin mit guten Geschäften im Ausland. Die Weltwirtschaft wächst laut ifo-Institut derzeit mit rund 5 Prozent, allerdings wird ein Abflauen des Booms erwartet.

Damit liefere der Export im Verlauf des nächsten Jahres voraussichtlich etwas weniger Impulse für die deutsche Wirtschaft, sagte Abberger. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sagte im Nachrichtensender "n-tv", Exportieren werde durch den starken Euro immer teurer. Er sprach sich dafür aus, dass die Europäische Zentralbank den Euro-Kurs durch Verkäufe drücken solle.

Der deutsche Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement nannte unterdessen den starken Export, der dieses Jahr um 11 bis 12 Prozent zulegen werde, ein Zeichen für den Konjunkturaufschwung. "Die Stagnation ist vorbei. Es geht aufwärts und es wird weiter aufwärts gehen", sagte der SPD-Politiker im Bundestag. Das Problem sei die "Verwundbarkeit" Deutschlands durch externe Schocks wie den Ölpreis- oder den Kursanstieg des Euro.

Kritik aus der Opposition

CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer kritisierte, die deutsche Wirtschaft dümple vor sich hin. "Bevor nur ein Hauch von wirtschaftlicher Erholung einsetzt, verdüstern sich die Aussichten schon wieder." Die rot-grüne Regierung sitze "wie das Kaninchen vor der Schlange vor einem Berg wirtschaftlicher Probleme". CDU-Wirtschaftsexperte Matthias Wissmann forderte weitere Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt und spürbare Steuersenkungen.

Analysten der HypoVereinsbank bezeichneten den November-Index als enttäuschend. Für das Schlussquartal 2004 und das Startquartal 2005 sei nur ein mageres Wirtschaftswachstum von 0,25 Prozent zu erwarten. In Deutschland komme die Binnennachfrage nicht in Schwung, weil die Verbraucher aus Angst um ihre Jobs kein Geld ausgäben. (APA)

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