Zehn "Wiener Thesen" zur Filmlandschaft

2. Dezember 2004, 12:38
posten

Europäisches Fernseh- und Filmforum tagt unter dem Generalthema "Horizonte erweitern"

Wien - Zum ersten Mal in Wien findet heuer das Europäische Fernseh- und Filmforum statt, bei dem Experten sowie zuständige Regierungsvertreter bis Samstag ökonomische, technologische und regulative Herausforderungen für die europäische Film- und TV-Landschaft beleuchten. Unter dem Generalthema "Horizonte erweitern: Neue Länder, neue Akteure, neue Plattformen" werden bei der 16. Ausgabe der Veranstaltung (25. bis 27. 11.) in der Nationalbibliothek in Wien erstmals zahlreiche Vertreter der zehn neuen EU-Länder mit dabei sein - ein "hervorragender und für Österreich maßgeschneiderter Zeitpunkt", so zumindest Alfred Grinschgl, Chef der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR).

Produktion von TV-Fiktion 2003 rückläufig

Nach dem "historischen Ereignis der Erweiterung" zeige sich, dass zwar eine für Europa zu findende "kulturelle Einheit nicht zuletzt über die Medien vermittelt wird", andererseits "die Medien Europas immer noch eher National- oder Globalkultur vermitteln" und keine europäische, so Jo Groebel, Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts (Düsseldorf), das das Forum veranstaltet. "Es mangelt an gegenseitiger Information" der europäischen Staaten übereinander und an einem gemeinsamen Marketing für europäische Produktionen.

Die Produktion als auch die Ausstrahlung europäischer TV-Fiktion sei im Jahr 2003 sogar rückläufig gewesen und ebenso die innereuropäischen Koproduktionen, obwohl "Unterhaltung ein großer Teil der Identitätsbildung" ist, so Groebel. Ein eigenes Panel, an dem Kunststaatssekretär Franz Morak (V) sowie Kulturminister bzw. Staatssekretäre aus acht Ländern Osteuropas teilnehmen, befasst sich am Samstag mit europäischer Identität. Für das einführende Statement ist EU-Kommissar für Bildung, Training, Kultur und Mehrsprachigkeit, Jan Figel, vorgesehen.

Regeln im Binnenmarkt

Das Forum soll "nicht nur Kongressprogramm oder Fachveranstaltung", sondern auch "Impulsgeber" sein, der "auch das politische und medienpolitische Umfeld aufgreift", so Groebel. So werden zum Abschluss des Forums, an dem u. a. Francisco Balsemao (Portugal) als Forumspräsident, ORF-Generaldirektorin Monika Lindner, die Vizepräsidentin der deutschen UNESCO-Kommission Verena Metze-Mangold sowie Boris Bergant (RTV), Victor Moura-Pinto (SIC) und Markus Schächter (ZDF) teilnehmen, zehn "Wiener Medienthesen" formuliert, die hernach auf europäischer Ebene diskutiert werden sollen.

Die Arbeitsgruppen des Forums befassen sich mit drei zentralen Schwerpunkten: Die Überprüfung kreativer Inhalte und neuer Programmformate auf ihre paneuropäische Marktfähigkeit, eine Analyse der neuen digitalen und plattformübergreifenden Distributionsmöglichkeiten insbesondere mit Blicke auf die Filmwirtschaft sowie die aktuellen medienpolitischen und regulativen Herausforderungen in Europa. Dazu zählen insbesondere Wettbewerbsregeln im Binnenmarkt, Schutz des Medienpluralismus sowie die Förderung europäischer TV-Programme.

Pressefreiheit "durchaus gefährdet"

In Europa herrschten "nach wie vor eine derart heterogene Medienlandschaft und so unterschiedlich große Märkte", dass "die Unterschiede größer als die Gemeinsamkeiten" seien, so Groebel auf die Frage nach einer Vereinheitlichung der europäischen Medienregulierung. Sprachliche und Größenunterschiede in Europa seien so groß, dass viele Regelungen nicht auf andere Länder übertragbar seien. Jedoch sollten u. a. die Medienfreiheit staatsübergreifend geregelt sein, so Groebel. Auch in Europa - und hier nicht nur im Osten - sei die Pressefreiheit "durchaus gefährdet".

Auch in der nahen Zukunft werde es eine "weitere Diversifizierung der Medienlandschaft geben". Obwohl bei der jüngeren Generation das Fernsehen "nicht verschwinden" werde, werden in Zukunft "Breitbandangebote im Internet mit fernsehähnlichen Inhalten" hinzutreten, so Groebel. Zunehmend müsse auch Breitband und Telekommunikation hinter dem Terminus "Fernsehen" mitgedacht werden.

Der ORF ist ebenso Partner des Forums wie das Bundeskanzleramt, der Filmfonds Wien, die RTR und der Fachverband für Audiovisions- und Filmindustrie der Wirtschaftskammer Österreich. (APA)

Link

eim.de
Share if you care.