Für Pflichtschullehrer "vielschichtiges Problem"

6. Dezember 2004, 09:35
9 Postings

Riegler: Lehrer haben Unterrichten in drei Jahren nicht verlernt

"An den Volksschullehrern liegt es nicht" - Der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler, sieht das zu erwartende schlechtere Resultat Österreichs bei der PISA-Studie als "vielschichtiges Problem". Die Pädagogen hätten in den vergangenen drei Jahren das Unterrichten ja nicht verlernt, so Riegler gegenüber der APA. Eine Rolle spielten sicher die sprunghaft gestiegene Zahl von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache in Ballungsräumen, die Kürzung von Ressourcen und die Vorbildwirkung der Eltern.

"Ich wehre mich dagegen, dass man sagt, die Volksschule ist schuld", betonte Riegler. Die Pädagogen hätten zum Teil mit ersten Klassen zu tun, in denen 80 Prozent der Kinder kaum Deutsch könnten und die Lehrer statt mit Lesen erst einmal ein dreiviertel Jahr damit beschäftigt seien, die Unterrichtssprache zu vermitteln - "und das sind keine Einzelfälle". Die Anzahl solcher Klassen sei vor allem in Wien in vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen, meinte Riegler. Dadurch müssten auch die österreichischen Kinder natürlich Verzögerungen in Kauf nehmen.

"Nicht hilfreich" seien auch die Ressourcenkürzungen durch den Finanzausgleich gewesen, betonte der Lehrer-Vertreter. In den vergangenen Jahren seien im Pflichtschulbereich 4.000 bis 5.000 Lehrer weggefallen. Wenn man als Gesellschaft sage, dass die Vermittlung von Lesekompetenz von der Schule wahrgenommen werden müsse, müssten diese auch entsprechend ausgestattet werden. In den vergangenen Jahren seien hingegen gerade die Mittel für Schulbibliotheken zurückgenommen worden.

Generell ortet Riegler aber auch eine "dramatische Veränderung" der Lesefreude in allen Altersstufen: "Wer greift heute schon zum Buch, anstatt den Fernseher einzuschalten?" Diese Einstellung werde natürlich auch den Kindern vermittelt. Eltern würden heute auch Kinder mit Vorliebe vor den Fernseher setzen, um sie ruhig zu stellen, und nicht dahinter sein, dass sie zum Buch griffen.

Wenig hält Riegler von den von BIldungsministerin Elisabeth Gehrer (V) angekündigten Lese-Screenings für die sechste Schulstufe. Diese seien nicht zielführend, wenn man ohnehin aus internationalen Studien wisse, dass die Kinder dabei schwach sein.

Der Landesverband der Elternvereine an den öffentlichen Pflichtschulen in Oberösterreich will verstärktes Augenmerk auf die Unterrichtsqualität legen: Der Hase liege vor allem bei der Kontrolle der Lernerfolge im Pfeffer, so der Vizepräsident des Landesverbands, Enrico Savio, zur APA. Man habe zwar schöne Bildungsstandards entwickelt, von der Kontrolle derselben rede aber niemand. Die Schülerleistungen müssten nicht nur wie geplant in der vierten und achten Schulstufe überprüft werden, sondern kontinuierlich - wenn die Ziele nicht erreicht würden, habe der jeweilige Lehrer zu reagieren. (apa)

Share if you care.