Die meisten Erkrankungen sind psychisch bedingt

1. Dezember 2004, 13:46
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Bis zu 80 Prozent aller physischen Leiden sollen zumindest unter Beteiligung der Psyche zutage treten

Wien - Etwa 60 bis 80 Prozent aller Erkrankungen gelten als psychisch bedingt oder zumindest mitbedingt, erklärte am Donnerstag der renommierte Psychiater und Psychotherapeut Nossrat Peseschkian aus Wiesbaden bei der 6. Österreichischen Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich in Wien. Rund ein Viertel aller Menschen leidet im Lebensverlauf an zumindest einer seelischen oder mentalen Störung im engeren Sinn. Bei der Tagung werden auch konkrete Strategien präsentiert, wie das seelische Wohlbefinden erhalten und gefördert werden kann.

Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, rheumatische Erkrankungen, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Sexualstörungen würden immer mehr unter dem Gesichtspunkt der Erlebnisverarbeitung sowie psychischer und sozialer Konflikte gesehen, sagte Peseschkian.

Sprichwörtliche psychosomatische Zusammenhänge

Psychosomatische Zusammenhänge, also die Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele, zeigten sich auch in volkstümlichen Sprichworten und Lebensweisheiten, so der deutsche Psychiater und Psychotherapeut - beispielsweise in Äußerungen wie: "Da bleibt einem die Luft weg", "etwas in sich hineinfressen", "vom Schicksal gebeugt" oder "Gift und Galle spucken".

Doch nicht nur der Anteil der Psyche an körperlichen Beschwerden wird von internationalen ExpertInnen als sehr hoch eingeschätzt. Auch die Zahl der seelischen Leiden im engeren Sinn nimmt zu. So werden etwa laut Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO Depressionen bis zum Jahr 2020 den zweitgrößten Anteil an der "globalen Krankheitslast" haben. Derzeit steht diese psychische Erkrankung noch an vierter Stelle der am weitesten verbreiteten Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Rauch-Kallat: Initiativen im mentalen Bereich nötig

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) betonte am Donnerstag bei der Konferenz, dass der zunehmenden Zahl an psychischen Beeinträchtigungen entgegengewirkt werden müsse: "Gerade in einer Zeit, in der an jede und jeden Einzelnen erhöhte Anforderungen gestellt werden, sind im seelischen und mentalen Bereich gezielte Initiativen zur Gesundheitsförderung notwendig." Eines der wesentlichen Problemfelder seien die steigenden psychischen Belastungen im Berufsleben, so die Ministerin.

Aus Untersuchungen wisse man, dass Stress einem Drittel der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen schwer zu schaffen mache. Dennis Beck, Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich erklärt, was er unter Gesundheit versteht: "Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit - diese grundsätzliche Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt auch im seelischen Bereich." (APA)

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