WHO warnt vor Grippe-Epidemie

1. Dezember 2004, 13:46
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Wenn sie kommt, soll sie verheerend sein - Weltweit gibt es drei bis vier Grippe-Pandemien pro Jahrhundert, und die nächste ist fällig

Bangkok - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erneut vor einer drohenden weltweiten Grippe-Epidemie mit verheerenden Folgen und Millionen von Toten gewarnt. In jedem Jahrhundert gebe es drei bis vier Grippe-Pandemien, "und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir verschont werden", sagte Klaus Stöhr vom WHO-Influenzaprogramm am Donnerstag bei einer Konferenz in Bangkok.

Wahrscheinlichste Ursache der globalen Grippewelle dürfte ein Übergreifen des Vogelgrippe-Virus auf den Menschen sein, erklärte Stöhr. Offen sei bisher nur, ob dies "nächste Woche oder in den kommenden Jahren" geschehe. Schätzungen zufolge sei dann mit zwei bis sieben Millionen Toten und Milliarden Betroffenen weltweit zu rechnen.

"Jedes Land wird betroffen sein"

Eine Influenza-Pandemie werde sich weltweit ausbreiten, "und jedes Land wird betroffen sein", warnte der WHO-Experte. Stöhr forderte die Regierungen auf, die Zeit bis zum bevorstehenden Beginn der Epidemie zu nutzen, ihre Krankenhäuser auf den Ansturm vorzubereiten und öffentliche Informationskampagnen auszuarbeiten. Ein Impfstoff stehe bisher nicht bereit. Derzeit arbeiteten zwar zwei US-Unternehmen an seiner Entwicklung, im kommenden Winter und Frühjahr stehe die Welt aber ohne jegliches wirksame Medikament da.

In Thailand und Vietnam wurden in diesem Jahr durch die Vogelgrippe 44 Menschen infiziert, 32 davon starben. Untersuchungen zufolge steckten sie sich bei infiziertem Geflügel an. Der in Asien grassierende Vogelgrippe-Virusstamm H5N1 sei der wahrscheinlichste Kandidat für die Auslösung der befürchteten Influenza-Pandemie, sagte Stöhr. Seit April sei der Virus glücklicherweise nicht mehr mutiert, so dass die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes möglich erscheine.

Gefährliche Vogelgrippe

Bei der letzten schweren weltweiten Grippewelle 1918 bis 1919 starben Schätzungen zufolge zwischen zwanzig und fünfzig Millionen Menschen. Wissenschaftern zufolge sprang auch in diesem Fall ein Vogelgrippe-Virus durch Mutation auf den Menschen über. Der damals verbreitete Erregerstamm war besonders für gesunde junge Erwachsene tödlich. Bei den Menschen, die in diesem Jahr an der Vogelgrippe starben, lag das Durchschnittsalter zwischen 15 und zwanzig Jahren. Stöhr stellte seine Ergebnisse bei einer Konferenz von Gesundheitsministern und Experten aus 13 asiatischen Staaten vor. (APA)

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