Genf: Leiter des Islamischen Zentrums nach Gewaltbefürwortung entlassen

13. Dezember 2004, 11:53
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Ramadan hatte sich für die Steinigung von untreuen Frauen ausgesprochen

Genf - Die Schweizer Behörden gehen vor dem Hintergrund der Ereignisse in den Niederlanden und der Diskussion um die Integration von MuslimInnen verstärkt gegen fundamentalistische Tendenzen vor. So entließ die Regierung des Kantons Genf jetzt den Leiter des Islamischen Zentrums in Genf, Hani Ramadan. Entsprechende Presseberichte wurden am Donnerstag bestätigt. Der Fall hatte in der Schweiz großen Aufsehen erregt, da Ramadan sich in der französischen Zeitung "Le Monde" für die Steinigung von untreuen Frauen ausgesprochen hatte. Auch soll er die Gewaltanwendung von Ehemännern gegenüber ihren Frauen gerechtfertigt haben. Das sei inakzeptabel, erklärte die Regierung. Hani Ramadan arbeitete mehr als 20 Jahre als Französischlehrer in Genf.

Vor einigen Tagen hatten die Behörden in Basel bereits einen saudiarabischen Prediger wegen fundamentalistischer Aussagen in einer Koranschule ausgewiesen. Angehörige der moslemischen Gemeinde hatten Aussagen des Predigers den Behörden gemeldet. Er soll das Schlagen von Ehefrauen gerechtfertigt haben. Der Baseler Integrationsbeauftragte erklärte dazu, eine Auslegung der Religion in einem verfassungswidrigen Sinn - wie etwa das Befürworten von Gewaltanwendung - werde nicht toleriert.

In diesem Zusammenhang wird in der Schweiz eine akademische Imam-Ausbildung diskutiert, die an Schweizer Universitäten und in einer der drei Landessprachen - Deutsch, Französisch öder Italienisch - erfolgen sollte. Am religionswissenschaftlichen Institut in Fribourg werden zur Zeit die vielfältigen Ausrichtungen der islamischen Glaubensgemeinschaft in der Schweiz erforscht. (APA/dpa)

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