UNO-Atombehörde und Brasilien einig über Inspektion zur Urananreicherung

13. Dezember 2004, 09:37
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IAEO darf Anlagen untersuchen

Wien/Brasilia - Brasilien und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) haben sich auf einen Modus für Inspektionen brasilianischer Anlagen zur Urananreicherung geeinigt. Damit kann das südamerikanische Land nun ein Projekt zur Gewinnung von genügend Treibstoff für Atomkraftwerke umsetzen. Es könnte dem Land aber auch theoretisch den Bau von bis zu sechs Atombomben pro Jahr ermöglichen.

IAEO-Generaldirektor Mohammed ElBaradei sagte am Donnerstag in Wien, man habe sich auf ein Verfahren geeinigt, das der IAEO "Inspektionen der brasilianischen Anlagen erlaubt, ohne seine berechtigten Geschäftsinteressen zu schädigen". Brasilien wird nach Angaben seines Wissenschafts- und Technologie-Minister, Eduardo Campos, noch vor Jahresende die Testphase in der Uranfabrik in Resende im Bundesland Rio de Janeiro beginnen. Sie soll laut Campos zwischen sechs und acht Monate dauern.

Inspektionen verwehrt

Das umstrittene brasilianische Nuklearprogramm hatte in den vergangenen Monaten zu Spannungen mit der IAEO geführt, weil deren Inspekteuren bei Kontrollbesuchen stets eine Besichtigung der Gaszentrifugen verwehrt worden war. Brasilien argumentierte, es handle sich um eine moderne Technologie, die vor Industriespionage geschützt werden müsse. Angereichertes Uran kann sowohl zur Energiegewinnung, als auch zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden.

In einem Artikel der US-Zeitschrift "Science" hieß es kürzlich, Brasilien werde in Resende genug Uran für sechs Atomsprengköpfe pro Jahr produzieren. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace demonstrierte in Brasilia für ein Ende des "Atomabenteuers". Brasilien hatte kürzlich zur Erweiterung seines Nuklearprogramms den Bau von vier Atomkraftwerken angekündigt. Zwei Werke sollen 2010 und die anderen zwei 2016 in Betrieb gehen.

Brasilia hatte 2003 die Aufnahme der Produktion von angereichertem Uran "in industriellem Ausmaß im Dienst der nationalen Souveränität" angekündigt. Sie solle nur zivilen Zwecken dienen. Das Land hat nach eigenen Angaben die drittgrößten Uran-Reserven der Welt. (APA)

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