Das fürstliche Know-how

25. Februar 2005, 10:28
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Das Fürstliche am Fürsten ist ein wenig aus der Mode gekommen - Esterházy besitzen das Know-how im Verwalten großer Güter

Das Fürstliche am Fürsten ist ein wenig aus der Mode gekommen. Damit hätte sich, meint Stefan Ottrubay, auch "die Familie" abgefunden. Bei der Diskussion ums neue Logo für die Esterházy-Betriebe, deren Generaldirektor er ist, habe noch die Idee des Wappens eine Rolle gespielt.

Der Schweizer, der seit dem Rückzug des "Fürsten" Anton aufs Repräsentative die Geschäfte schupft, hat aber klargestellt, dass "Kronen und so etwas nur mehr bei Whiskey-Marken und Schokolade eine Rolle spielen". Esterházy dagegen sei "ein moderner Wirtschaftsbetrieb" und brauche also ein "modernes, schlichtes Logo".

Basis ist der enorme Grundbesitz

Basis des Betriebes ist der enorme Grundbesitz im Burgenland. 44.000 Hektar sind esterházysch, davon knapp 28.000 voll bewirtschaftet, der Rest verteilt sich auf den Nationalpark am Neusiedler See und Naturschutzgebiete. Die Landwirtschaftsbetriebe umfassen rund 5600, die Forstbetriebe knapp über 22.000 Hektar, das entspricht einem Buchwert von zusammen 380 Millionen Euro.

"Waldordnung"

"Das ist allerdings eher fiktiv", sagt Hans Peter Weiss, der Oberforstmeister. Bis 1955 war der gesamte Esterházy-Besitz ein USIA-Betrieb, "der Großteil verheert, es hat lange gedauert, die radikalen Kahlschläge wieder aufzuforsten". Immer noch sei man dabei, den pannonischen Wald ins ökologische Gleichgewicht zu bringen, durchaus mit Rückgriff auf die Tradition: Paul Anton untersagte 1748 mit seiner "Waldordnung" großflächige Kahlschläge.

Heute werden rund 100.000 Festmeter Holz eingeschlagen, beliefert wird vor allem die Säge- und Papierindustrie, der steigende Anteil an Laubholz erlaubt freilich auch lukrativere Geschäfte mit der Möbelindustrie. Insgesamt wiesen die Esterházy-Betriebe im Vorjahr einen Umsatz von 14,9 Millionen Euro aus. Wachsende Geschäfte sieht man im Osten: "Aber nicht aus Reminiszenz. Wir verkaufen nur unser Know-how im Verwalten großer Güter". (wei, DER STANDARD Printausgabe 25.11.2004)

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