Millionengeschäfte mit den Jägern

25. Februar 2005, 10:28
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Hunderte Millionen Euro sind im Spiel, dennoch: Die Jagdwirtschaft in Österreich stagniert

Hunderte Millionen Euro sind im Spiel, dennoch: Die Jagdwirtschaft in Österreich stagniert. Swarovski Optik, Marktführer bei hochwertigen Fernrohren, ist exportorientiert. Viel Wildbret kommt aus dem Ausland.

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Der Seniorchef hatte diesen Sommer einspringen müssen, damit nach außen hin wieder Ruhe einkehren konnte in den Familienkonzern. Der Plan von Gerhard Swarovski, des 62-jährigen gleichaltrigen Cousins von Gernot Langes, die Optiksparte auszugliedern, war gescheitert.

Umsatzzuwachs

Den wirtschaftlichen Erfolg scheinen die jüngsten Turbulenzen nicht beeinträchtigt zu haben. Swarovski Optik mit Sitz in Absam bei Hall in Tirol erwartet für das Geschäftsjahr 2004 einen Umsatzzuwachs von zwölf Prozent: 90 Millionen Euro will das Unternehmen heuer erzielen, vor sechs Jahren war es noch weniger als die Hälfte.

Aber das auf hochwertige Fernoptik für Jagd und Birding spezialisierte Unternehmen ist in seiner Branche nach eigenen Angaben Weltmarktführer. "Wir erzielen bei der Optik bis zu vierzig Prozent höhere Margen als die Mitbewerber", sagt Markus Langes. 555 Mitarbeiter sind am Standort Absam beschäftigt - Zielfernrohre können nur zum Teil maschinell erzeugt werden: "Die Zusammensetzung der Geräte muss nach wie vor händisch erfolgen", sagt Pressesprecher Martin Gundolf. An die 1000 Euro kostet ein Jagdfernrohr aus Absam im Handel.

Bessere Jagdwaffen kosten

Das ist ein Drittel des Preises, der insgesamt für eine bessere Jagdwaffe zu bezahlen sei, sagt der Kufsteiner Waffenhändler und Büchsenmacher Christian Furtschegger. Hochwertige Feldstecher kosten zwischen 700 und 1200 Euro. Sieht man von der Anschaffung der Waffe und der Bekleidung ab, wird das Jagen zu einem relativ erschwinglichen Hobby, was seine Verbreitung mit erklärt: An die 300 Euro, schätzt Furtschegger, fallen pro Jahr an.

Verlässliche volkswirtschaftliche Zahlen zur Jagd sind in Österreich aber nicht zu erhalten. Peter Lebersorger, der Geschäftsführer der Zentralstelle des Österreichischen Jagdverbandes, hat erstmals 1998 den "Wirtschaftswert des österreichischen Jagdwesens" zu errechnen versucht. Auch diese, nun aktualisierte, Berechnung, beruht "auf Schätzungen", sagt Lebersorger: "Wir haben die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben für das Jagen auf die Anzahl der Jäger hochgerechnet." Dabei ergeben sich für Lebersorger Gesamtausgaben von derzeit 475 Millionen Euro, Tendenz gleich bleibend.

Swarovski Optik ist exportorientiert

Vor sechs Jahren hatte er noch 436 Millionen Euro errechnet. Der Markt in Österreich gilt weit gehend als saturiert. Auch Swarovski Optik ist nicht zuletzt deshalb stärker exportorientiert: Das Unternehmen erzielt 45 Prozent des Umsatzes allein in den USA.

An die 35 Prozent der Gesamtausgaben im Jagdwesen, 132 Millionen Euro, werden für Geräte - Waffen, optische Geräte, Munition - und für Bekleidung bestritten. Auf rund 70 Millionen Euro belaufen sich laut Lohensberger die Ausgaben für Jagdpachten (54 Millionen) und für Jagdkarten und Gebühren (26 Millionen Euro). Nicht eingerechnet ist der touristische Umsatz mit Jagdgästen in Österreich - "eine Gams", also der Abschuss eines solchen Tieres samt einwöchiger Unterbringung und Führung im Revier kann gut 1000 Euro kosten.

Der größte Jagdbetreiber in Österreich ist die Republik selbst

Der größte Jagdbetreiber in Österreich ist die Republik selbst. 560.000 Hektar Wald werden von den Bundesforsten bewirtschaftet, ein großer Teil davon ist an Jäger verpachtet. Die diesbezüglichen Einkünfte machen etwa zehn Prozent der Gesamteinnahmen des Unternehmens aus.

Dabei mit eingerechnet sind die an den Besitzer des bejagten Geländes zu zahlenden Prämien im Fall eines Trophäenabschusses - 3600 Euro und mehr.

Wildbret aus dem Ausland

Der geschätzte Umsatz bei Wildbret liegt bei 28 Millionen Euro. Wobei Wild aus Kostengründen vermehrt aus Neuseeland bezogen wird.

115.000 Jäger in Österreich

In Österreichs Revieren kümmern sich rund 115.000 Jäger darum. Auf diese Weise landen rund 44.000 Stück Rotwild, 78.500 Rehwild und 25.000 Stück Gamswild auf den Tellern, ebenso 184.000 Hasen und 180.000 Fasane.

Alles in allem geht es um rund zehn Millionen Kilogramm Wildbret jährlich. Woraus sich errechnen lässt: Der Pro Kopf-Verbrauch in Österreich liegt bei mehr als einem Kilogramm. (Benedikt Sauer, DER STANDARD Printausgabe 25.11.2004)

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    Der größte Jagdbetreiber in Österreich ist die Republik selbst. 560.000 Hektar Wald werden von den Bundesforsten bewirtschaftet, ein großer Teil davon ist an Jäger verpachtet.

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