Ökonominnen: "Wir benötigen Frauen-Netzwerke"

20. Dezember 2004, 12:03
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Nationalbank will "konkrete Maßnahmen zur Frauenförderung" entwickeln

Wien - "Wir benötigen Frauen-Netzwerke, wo ältere Frauen jüngere, die gerade ihre Karriere starten, unterstützen", meinte Sinikka Salo, Direktoriumsmitglied der Bank of Finland, am Mittwochabend bei einer Diskussionsveranstaltung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), die unter das Motto "Chancengleichheit für Frauen und Männer: Erfolg durch Vielfalt" gestellt war.

Obwohl sich der Frauenanteil in Unternehmen in den vergangenen Jahren erhöht habe, sei es noch immer schwierig, in höhere Managementebenen aufzusteigen, vor allem im Wirtschafts- und Geschäftsleben. Dies werde von den Frauen oftmals auch nicht ernsthaft angestrebt. Frauen seien oft nicht in strategisch wichtigen Funktionen positioniert und von formellen und informellen Netzwerken ausgeschlossen.

Kultur

Die Management-Kultur generell müsste sich ändern, waren sich die großteils weiblichen DiskussionsteilnehmerInnen, darunter die Vize-Gouverneurin der Slowakischen Nationalbank Elena Kohutikova, das einzige weibliche EZB-Direktoriumsmitglied Gertrude Tumpel-Gugerell sowie Regina Prehofer, Mitglied des Vorstandes der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), einig. Die derzeitige Art und Weise der Unternehmensführung und Arbeitsweise werde sehr stark durch die männliche Kultur bestimmt, hieß es. Je höher man die Karriereleiter hinaufsteige, desto überwältigender sei die von Männern bestimmte Kultur.

Frauenförderung

In diesem Rahmen bekannte sich Gouverneur Klaus Liebscher zur Forcierung der Frauenförderung in der OeNB. "Die Oesterreichische Nationalbank bekennt sich in ihrem Leitbild zur Gleichberechtigung der Frauen und wir sind bestrebt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Entwicklung der Mitarbeiterinnen ebenso fördert wie die ihrer männlichen Kollegen", betonte Liebscher.

"Frauen haben Stärken, die Männer nicht haben und umgekehrt", so OeNB-Gouverneur Klaus Liebscher. Auch er betonte, dass es nicht darum gehe, dass Frauen die besseren Männer werden sollten, um bessere Karrierechancen zu besitzen. Frauen sollten vielmehr ihre spezifischen Kompetenzen - wie hohe Kommunikationsfähigkeit und Teamorientierung - in gleichem Maße in das Unternehmen einbringen können. Die OeNB bekenne sich zur Gleichberechtigung und bewussten Förderung von Chancengleichheit - das solle das Bemühen aber nicht ersparen. Gerade die Nationalbanken hätten hier eine Vorbildfunktion. Je höher der Frauenanteil in einem Unternehmen, desto höher werde er auch in den Führungsebenen werden, so Liebscher. "Daher sollen in den kommenden Monaten konkrete Maßnahmen zur Frauenförderung entwickelt werden."

"Starke Frauen"

"Wir brauchen starke Frauen, um die Managementkultur pluralistischer und für Frauen leichter zugänglich zu machen", so die finnische Notenbankerin, die ihre Verankerung in diversen Netzwerken - weiblichen wie männlichen - als entscheidend für ihre eigene Karriere ansieht. Unter anderem war sie selbst Mitbegründerin des Netzwerkes der finnischen Ökonominnen. Vor allem auf einem Gebiet bräuchten Frauen mehr Praxis, nämlich damit, Kritik auszuhalten. Weibliche Manager müssten bedenken, dass sie es nicht jedem Recht machen könnten. Je höher die Position, desto mehr Handlungen werden beobachtet und kritisiert - oft auch ungerechtfertigt. Deshalb helfe es, die Erfahrungen mit anderen KollegInnen - leichter sei es aus kulturellen Gründen mit Frauen - zu teilen.

Tumpel-Gugerell, einziges weibliches Direktoriumsmitglied in der Europäischen Zentralbank (EZB), bezeichnete das Thema Chancengleichheit als ein zutiefst europäisches. Frauen stellten heute bereits 43 Prozent der europäischen Erwerbsbevölkerung. Noch nie habe es so gut ausgebildete Frauen gegeben. In Führungspositionen seien sie jedoch nach wie vor unterrepräsentiert und könnten ihre Höherqualifikation in weit geringerem Maße in den Aufstieg umsetzen als Männer. In Führungspositionen seien Männer doppelt so häufig, im Topmanagement dreimal so häufig vertreten. (APA/red)

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