Biene relativiert Theorie über das Dinosterben

1. Dezember 2004, 13:13
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Wenn nach dem Meteoriteneinschlag die Temperaturen derart sanken, dass es zum Massensterben kam ... warum hat dann die Honigbiene überlebt?

Denver - Die tropische Honigbiene namens Cretotrigona prisca bringt die vorherrschende Theorie über das Dinosauriersterben in grauer Vorzeit ziemlich ins Wanken.

Bis heute nehmen Forscher an, dass vor 65 Millionen Jahren der Einschlag eines im Durchmesser zehn bis 15 Kilometer großen Meteoriten in der Nähe der Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko eine Wolke feinsten Staubs erzeugte, die lange Zeit die Sonnenstrahlen blockierte und so zu einer dunklen, eiskalten, lebensfeindlichen Periode führte - und damit zu einem der größten Massensterben in der Erdgeschichte, das neben den Dinos Millionen von Arten auslöschte. Doch ganz so schlimm wie von ihren Kollegen geschildert könne die Klimakatastrophe nun doch nicht gewesen sein: Das zumindest ist die Meinung der Paläontologin Jacqueline Kozisek von der Universität New Orleans, die ihre Untersuchungen auf dem Jahrestreffen der Geologischen Gesellschaft von Amerika in Denver präsentierte.

Basierend auf Literaturangaben erstellte sie eine Liste mit Tieren, die den Meteoriteneinschlag überlebt hatten und von deren heutigen Nachfahren man die für ein Überleben strengen Anforderungen kennt. Am Besten konnte die Forscherin dies eben an der tropischen Honigbiene Cretotrigona prisca belegen.

In Bernstein gefundenen Vorfahren der Biene aus der Zeit des Meteoriteneinschlags sind geno- und phänotypisch nahezu identisch mit ihren heutigen Nachfahren. Die Körperfunktionen der heutigen Biene funktionieren am Besten bei einer Temperatur von 31 bis 34 Grad Celsius, bei der sich auch ihre Hauptnahrung, nektarreiche Blütenpflanzen, am wohlsten fühlen. Maximal um sieben Grad Celsius hätte sich das Klima nach dem Meteoriteneinschlag abkühlen dürfen, um der tropischen Honigbiene und ihrer Nahrungsquelle gerade noch ein Überleben zu ermöglichen.

Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten gehen jedoch davon aus, dass der durch den Meteoriteneinschlag ausgelöste Post-Impact-Winter die durchschnittliche Temperatur auf der Erde um zwölf Grad Celsius abkühlte, was die prähistorische Biene nicht überlebt hätte. Dass sie es doch bis in die heutige Zeit geschafft hat, ist für Kozisek der Beweis, dass die Auswirkungen des Einschlags nicht so verheerend gewesen sein können, wie bis heute von der Wissenschaft angenommen wird. (Andreas Grote/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 11. 2004)

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