Wunsch nach Punsch: Das lukrative Geschäft

28. Dezember 2004, 15:46
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Böse Zungen behaupten, dass das Vergabesystem für Punschstände so verwaschen sei wie das Gesöff

Das Geschäft mit dem Punsch auf Märkten ist derart lukrativ, dass hunderte sich gern als Marktstandler verdingen würden. Doch die Lizenz zum Ausschenken ist kaum zu ergattern.

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Wien - Böse Zungen behaupten, dass das Vergabesystem für Punschstände so verwaschen sei wie das Gesöff, das einem mancherorts kredenzt wird. Diese böswillige Auslegung der Marktordnung, stößt bei den Verantwortlichen auf wenig Zustimmung. Fakt ist aber, dass es in einigen Landeshauptstädten intransparent zuzugehen scheint, wenn man ein Punschstandl eröffnen will, ergab ein Rundruf des STANDARD.

Beschwerde: Freier Marktzugang sei nicht gewährleistet

Bekannt wurde dieser Umstand durch eine Klage eines Marktstandlers gegen die Stadt Wien. Der Beschwerdeführer sagte im ORF, der freie Marktzugang sei nicht gewährleistet, weil man ihm das Punschausschenken verwehrt. Er betreibe bereits zwei Buden am Christkindlmarkt am Rathausplatz, wolle aber auch Punsch ausschenken. Der zieht bei der Kundschaft, der bringt Geld. Mittlerweile liegt der Akt beim Verfassungsgerichtshof. Ein Sprecher bestätigte, dass es tatsächlich schwer zu sein scheine, eine Lizenz zu bekommen. Zudem gebe es keine Rotation oder keinen Losentscheid bei der Zuteilung.

In Wien, erklärt Marktamt-Dezernatsleiter Franz Kopecky salopp, gelte: "Wer im Vorjahr brav war, gilt für das nächste Jahr als vorgemerkt".

Wien bedient "Brave"

Das heißt, wer die Marktordnung eingehalten hat, kann im Jahr darauf damit rechnen, wieder einen Punschstand zu bekommen. So "ist anzunehmen" (Kopecky), dass seit der Eröffnung des Christkindlmarktes 1975 teils dieselben Standler Punsch schöpfen. Klingt doch nach Erbpacht? Nein, so Kopecky, das System sei erprobt und garantiere Qualität. Ob diese Qualität nicht auch ein anderes Vergabesystem und damit neue Standler garantieren? Nein, das System sei durchdacht. De facto kommen so neue Anbieter von Punsch, Schmalzbroten und Christbaumkugeln nur zum Zug, wenn jemand sein Standlprivileg aufgibt. Weil das selten der Fall ist, stehen Anwärter "zu Hunderten auf der Vormerkliste", weiß Kopecky.

Wer ein Standl ergattert, mietet es vom "Landesgremium der Marktstandler und Wanderhändler" (Wirtschaftskammer). Laut Geschäftsführer Herbert Gindl gelten Preise zwischen 3000 und 13.400 Euro, je nach Größe. Die Gastrohütte ist teurer als die Nicht-Gastrohütte. Dazu kommen Gebühren an das Marktamt, die sich auf 1000 Euro und mehr summieren.

Graz stiftet Verwirrung

Die Grazer Christkindmärkte öffnen dieses Wochenende. Auf der Suche nach der Beantwortung der Frage, wer für die Lizenzen zuständig ist, versinkt man in der Bürokratie.

Im Marktamt heisst es, nein, das Straßenamt sei zuständig. Dort wird entgegnet, nein, man stehe nur für den Kunstmarkt am Tummelplatz. Es werde wohl das Fremdenverkehrsamt zuständig sein. Dort schüttelt die zuständige Beamtin den Kopf: "Nein, wir könnens nicht sein." Es sei wohl die ausgegliederte Grazer Tourismusgesellschaft.

Punschkompetenz

Auf der Suche nach der Punschkompetenz wird man auch hier nicht fündig: Es gebe aber einen Herrn Walter Kriewetz, einen Privatunternehmer, der die Christkindlmärkte manage. Kriewetz wiederum verweist auf das Straßenamt. Es gebe allerdings eine "Steuergruppe", die Bewerbungen selektiere. In der sitze er. Kriterien: keine Textilien, "keine rosaroten Unterhosen", kein Kriegsspielzeug. Und keine Benefizsachen. Dafür existiere eine andere Gruppe.

In Linz werden die 48 Standln am Hauptplatz und die 76 im Volksgarten "langjährig beschickt", so Susanne Sermonet vom Marktamt. Da die Standler in die Buden investiert haben, habe Linz am Hauptplatz zehnjährige Platzgarantien vergeben. Das Ziel seitens der Stadt: "möglichst wenig Veränderung".

Linz will BewährtesP> Die Mieten in Linz: Knapp 30 Euro je Quadratmeter - wer Alkohol ausschenkt, zahle das Dreifache. "Wenn das nicht trotzdem ein Geschäft wäre, würden die Standler nicht jedes Jahr wieder kommen." (Walter Müller, Thomas Rottenberg, Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 25.11.2004)

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    Bei wem sich am Tresen die geleerten Punschbecher stapeln, bei dem stapelt sich am Ende der Saison auch die bare Münze. Daher ist die Erlaubnis auszuschenken begehrt.

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