Analyse: Sandkastenspiele rund um die BA-CA-Zukunft

1. Dezember 2004, 16:01
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Sobald die HVB ihre Hausaufgaben gemacht hat, wird sie die BA-CA enger an sich binden - von Renate Graber

Wien – Die Aufsichtsratssitzung der Münchner HypoVereinsbank (HVB) am kommenden Montag wird mit Spannung erwartet. Denn die Deutschland-Geschäfte der Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) kommen kaum vom Fleck, die Erträge stammen fast ausschließlich von der BA-CA und aus Zentral- und Osteuropa (CEE). Die unumstrittene Diagnose: Jetzt muss etwas geschehen.

Doch wer erwartet, dass HVB-Chef Dieter Rampl den nächsten Totalumbau der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands absegnen lässt, dürfte enttäuscht werden. Das unvermeidliche Sparprogramm (kolportiert wird die Streichung von 3000 Jobs) wird wohl erst Anfang 2005 seriös ausgetüftelt sein.

Was am Montag fixiert werden soll: Christine Licci, Ex- Privatkundenchefin der Citibank Deutschland, zieht in den HVB-Vorstand ein, verantwortlich für das Privatkundengeschäft Deutschland. Die monatelang diskutierte und von der 40-Jährigen selbst favorisierte Variante, Licci werde diese Sparte konzernweit – somit auch für Österreich und CEE – leiten, ist vom Tisch.

Etappensieg

Ein Etappensieg für HVB- Vorstandsmitglied und BA- CA-Aufsichtsratspräsident Gerhard Randa. Er hat sich mit Händen und Füßen gegen die Durchgriffsvariante gewehrt. Argumentiert wurde da immer wieder mit der "Unabhängigkeit" der BA-CA. Sie gilt so lange wie der "Bank-der-Regionen-Vertrag": Er schreibt fest, dass die BA-CA für Österreich und CEE zuständig ist.

Darüber, was nach der allfälligen Aufkündigung dieses Vertrags geschehen wird, zerbrechen sich derzeit nicht nur BA-CA-Banker ihre Köpfe. Vor allem deren Erzrivalen, der Sparkassensektor mit seinem Spitzeninstitut Erste Bank.

BA-CA soll in HVB integriert werden

Das immer öfter kolportierte Szenario: Die BA-CA wird in die HVB integriert. Indizien dafür gibt es: HVB-Chef Rampl hat mehrfach angekündigt, den Syndikatsvertrag per 2007 zu kündigen. Damit hätten die Deutschen das Sagen im BA- CA-Aufsichtsrat.

Öl ins Feuer der Integrationsspekulationen gegossen hat vor kurzem HVB-Finanzvorstand Wolfgang Sprißler. Er schloss einen Aktienrückkauf (22,5 Prozent der BA-CA notieren an der Börse) "theoretisch nicht aus". Damit war die Kuh aus dem Stall, auch wenn HVB-Chef Rampl sofort versuchte, sie wieder einzufangen: An einen Rückkauf der im Streubesitz befindlichen Aktien sei "nicht gedacht".

Das – etwas unwahrscheinlichere – Szenario: Die HVB bringt im Rahmen dieser Umbauarbeiten das lukrative Ostgeschäft an sich und lässt die BA-CA als reine Österreich- Bank bestehen. Sandkastenspiele, die die Sparkassen besonders nervös machen: Eine "Österreich-BA-CA" könnte in ihrem Revier wildern. Denn: Ende 2005 läuft das gesetzliche Aufgriffsrecht der Erste Bank für zum Verkauf stehende Sparkassen aus. Sie können dann an jeden Interessenten gehen und damit eben auch an eine expansionslustige österreichische Retailbank BA-CA. Zumal 2007 auch die Gemeindehaftung endet, was zusätzliche Sparkassen auf den Markt bringen wird.

Sparkassenverband fürchtet um Mitglieder

Vor diesem Hintergrund ist es auch zu sehen, dass Erste und Sparkassenverband alles daran setzen, ihre Kassen eng an sich zu binden – durch den (von der BA-CA rechtlich bekämpften) Haftungsverbund ebenso wie mit dem Kampf gegen den KV-Wechsel der BA-CA. Geht der durch, fürchtet der Sparkassenverband zu Recht um seine Mitglieder.

Die Realisierung der BA- CA-Szenarien wird aber noch dauern. Die Münchner wollen zuerst ihr eigenes Geschäft in den Griff bekommen, um dann mit den Österreichern "auf Augenhöhe" um die engere Integration verhandeln zu können. Ob und in welcher Rolle Gerhard Randa dabei sein wird, ist übrigens ungewiss. Jüngste Gerüchte sprechen von einer möglichen Veränderung des HVB-Vorstands.(Renate Graber, Der Standard, Printausgabe, 25.11.2004)

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